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Friedensakademie
Beit Benedikt
Benediktiner
auf dem Zion
Die
Benediktinerabtei Dormitio steht mit ihrer Friedensakademie Beit
Benedikt im Zentrum Jerusalems. Nur wenige Schritte trennen uns von der
jüdischen Klagemauer, der Grabeskirche Christi und der Al
Aksa-Moschee der Muslime.
Kein Ort der Welt scheint besser geeignet, Raum und Zeit zu bieten,
damit Juden, Christen und Muslime im Respekt aller Unterschiede sich
begegnen, um gegenseitiges Verstehen zu fördern und dadurch
dem Frieden zu dienen.
Pax
Benedictina
Der
Heilige Benedikt, der in der Zeit des zusammenbrechenden
Römischen Imperiums und der beginnenden
Völkerwanderung lebte, wusste um die Begrenztheit der
großen Politik und ihrer Mittel. Umso mehr schätzte
er die kleinen Schritte im alltäglichen Leben, die helfen,
Unheil, Unrecht und Böses zu überwinden. Denn gerade
in der geschwisterlichen Gemeinschaft des Klosters ist es an jedem
Einzelnen, sich um ein friedvolles Miteinander zu bemühen.
"Suche den Frieden und jage ihm nach!", zitiert Benedikt schon im
Prolog der Regel den Psalmisten (Ps 34,15) und gibt uns
Mönchen damit ein grundlegendes Gebot: Der wahre Friede, als
Gabe und Aufgabe Gottes zugleich, kann nur in einem aktiven Prozess
wachsen, belebt von wachem Geist und Sinn für Gerechtigkeit
und Liebe.
Dabei hat Benedikt mit seiner Regel keine Abhandlung über den
Frieden geschrieben, vielmehr hat er ihn gestiftet und zur
alltäglichen Selbstverständlichkeit gemacht. Deshalb
kann er auch ermahnen, "nach einem Streit noch vor Sonnenuntergang zum
Frieden zurückzukehren" (RB 4,73). Die Bewahrung des Friedens
als innere Haltung formt in einmaliger Weise benediktinisches Leben und
ist der Nährboden für eine menschlich reife und
reiche Kultur. Konzentriert werden diese Grundlinien unserer
Spiritualität und Tradition im Begriff "Pax Benedictina".
Gäste, "die dem Kloster nie fehlen" (RB 53,16), durften die
Pax Benedictina in den vergangenen Jahrhunderten wie in unserer Zeit
immer wieder in klösterlicher Gastfreundschaft erfahren: In
der Atmosphäre der Klostergebäude teilen sie mit uns
die Suche nach Gott, den Rhythmus von Gebet und Arbeit, die Betrachtung
der Heiligen Schrift, erfülltes Schweigen, sowie
Schaffenskraft in Handwerk, Kunst und Wissenschaft.
Die Pax Benedictina ist ein Zeichen des Friedens im Geiste Jesu
Christi. In dieser Zeichenhaftigkeit und Tiefendimension will sie unter
allen Völkern erkannt und erfahren werden
Auftrag
der Kirche
Das
Zweite Vatikanische Konzil formuliert in seiner Pastoralkonstitution
"Die Kirche in der Welt von heute": "In der Treue zum Evangelium,
gebunden an ihre Sendung in der Welt und entsprechend ihrem Auftrag,
alles Wahre, Gute und Schöne in der menschlichen Gemeinschaft
zu fördern und zu überhöhen, festigt die
Kirche zur Ehre Gottes den Frieden unter den Menschen." (GS 76)
Als Mönche wissen wir uns diesem Auftrag verbunden. Diese
Aufgabe verstehen wir weder politisch noch strategisch. Sie soll
absichtslos getan sein: Wir wollen die Liebe zu den Menschen leben.
Die Regel des Heiligen Benedikt fordert uns heraus, stets neu auf das
hinzuhören und zu lauschen, was Gott uns im Bruder und in der
Schwester sagt. Der Mönch soll sensibel und aufmerksam werden
für die kleinen und die großen Dinge des Alltags,
die die Menschen bewegen. Denn der Friede ist "niemals
endgültiger Besitz, sondern immer wieder neu zu
erfüllende Aufgabe." (GS 78)
Beit Benedikt: Ort der Pax Benedictina
Einen
solchen Ort gemeinsamen Hin-Hörens und Suchens bieten wir
Mönche auf dem Zion an:
Das Wort Christi, "Meinen Frieden gebe ich euch!" (Joh 14,27), ist uns
hier besondere Verpflichtung: Angerührt und angezogen von
Jerusalem und seinem unvergleichlichen Spannungsfeld der Religionen,
Kulturen, Sprachen und Völker wie auch von seiner heilvollen
und unheilvollen Geschichte, ist es die Liebe zu den vielen Menschen
verschiedener Religionen und Nationen und die Sehnsucht nach wahrem
Frieden, die uns Mönche hierher geführt hat. Hier ist
unser Ort, Gott zu suchen und die treue Freundschaft mit Ihm zu leben.
In diese Freundschaft wollen wir mit der Friedensakademie Beit Benedikt
die Menschen hineinnehmen. Beit Benedikt verstehen wir deshalb als
einen Dienst der Freundschaft im Auftrag Gottes: Mit offenen Herzen und
Händen für die Nöte und Ängste der
Menschen. Verwurzelt in der Heiligen Schrift und im Glauben der Kirche.
Interessiert an den Menschen.
Im Geiste der Urgemeinde, die auf dem Zionsberg ihre erste
Stätte hatte, und im Geist des heiligen Benedikt gilt
für Beit Benedikt und unseren Dienst: Jeder, der kommt, darf
wissen, dass er erwartet wird. Jeder darf da sein und zwar als der, der
er ist - in einer Atmosphäre des Vertrauens, der Sympathie,
der zwanglosen Güte und des Humors. Jeder soll
spüren: Hier sind Menschen, die einfach begleiten wollen: die
Freude, das Leben, den Schmerz, und den Tod.
In der unaufgebbaren Spannung zwischen klösterlicher Klausur
und gastfreundlicher Offenheit, zwischen mönchischem Schweigen
und engagiert geführtem Gespräch, zwischen
monastischer Ordnung und orientalischer Vitalität wollen wir
mit Beit Benedikt unseren ganz eigenen und besonderen Beitrag zum
Frieden im Heiligen Land leisten.
Die Aufgabe ist einfach: helfen, dass die Menschen einander verstehen.
Unser Weg zu diesem Ziel ist der der Freundschaft. In diesem
Bemühen findet die Pax Benedictina in unserer Friedensakademie
ihren Ausdruck. Wahrer Friede ist Gottes Geschenk. Es ist auch Gottes
Sache, wie viele Schritte wir auf diesem Weg mit Beit Benedikt gehen
dürfen.
Beit
Benedikt: Akademie für den Frieden
Schwerpunkte
unserer Arbeit sind der innerchristliche Dialog zwischen den
verschiedenen im Heiligen Land vertretenen Konfessionen und Kirchen
sowie das interreligiöse Gespräch zwischen Juden,
Christen und Muslimen.
Darüber hinaus steht Beit Benedikt allen offen, die sich dem
Frieden, der Toleranz und der Verständigung der Religionen und
Kulturen verpflichtet fühlen.
Unterschiedliche Angebote sollen Wissen und Verstand, Emotionen und
Erinnerungen, Ästhetik und Sinn für Kultur
ansprechen. Mit Vorträgen und Gesprächen, mit
Seminaren und Konferenzen, mit Ausstellungen und Konzerten bieten wir
Menschen aus dem In- und Ausland einen Ort zur Begegnung, zum
Kennenlernen, zum Austausch.
Dabei tritt die Akademie selbst als Veranstalter auf oder stellt ihre
Räume und Einrichtungen sowie ihr Know how zur
Verfügung.
Das Angebot von Beit Benedikt wendet sich insbesondere an
Multiplikatoren wie Theologen, Pädagogen und Journalisten.
Denn "wer sich der Aufgabe der Erziehung, vor allem der Jugend, widmet
und wer die ?öffentliche Meinung mitformt, soll es als eine
schwere Pflicht ansehen, in allen eine neue Friedensgesinnung zu
wecken" (GS 82).
In dieser Pflicht ist es unser vornehmstes Anliegen, bei unseren
Gästen das Bewusstein für die Werte Anderer zu wecken
und in einen regen Austausch darüber einzutreten.
Wege
und Begleitung
Als
Ort benediktinischer Gastfreundschaft will Beit Benedikt
ermöglichen, dass Menschen verschiedener Religionen,
Gesellschaftsformen und Kulturen einander begegnen - im
unerlässlichen gegenseitigen Respekt. Wir bieten unsere Hand
für einen gemeinsamen Weg an, der uns alle aus Unkenntnis,
Angst und Intoleranz dem Fremden gegenüber zu Kenntnis,
Toleranz und Wertschätzung führen soll. Unsere
Begleitung auf diesen Wegen geschieht in drei Schritten:
auf
dem religiösen Weg durch Hören - Beherzigen - Segnen:
Kennenlernen von Theologien, Glaubensverständnissen und ihrer
Ausdrucksformen, von Liturgien, von Meditation und Gebet.
auf
dem gesellschaftlichen Weg durch Sehen - Urteilen - Handeln:
für Familien, Lehrende, Schüler, Studierende und
Journalisten.
auf
dem kulturellen Weg durch Wahrnehmen - Verstehen - Leben: in Musik,
Literatur, gestaltender Kunst; durch Begegnung verschiedener Kulturen;
in Ausstellungen und Konzerten.
Struktur
Die
Friedensakademie Beit Benedikt wird von der gemeinnützigen,
kirchlichen Stiftung
Hagia
Maria Sion getragen. Geleitet
wird sie von einem Direktor, der dem Abt verantwortlich ist.
Für die einzelnen Angebote der Akademie werden jeweils
kompetente Leiter aus dem In- oder Ausland engagiert. Sie steht in
engem wissenschaftlichen Austausch mit dem "Theologischen
Studienjahr", einem
ökumenischen Studienprogramm für deutschsprachige
Theologiestudierende, das seit 1973 an unserer Abtei besteht.
Vision
und Hoffnung
Wahrer
Frieden ist im Brennpunkt der Religionen, Gesellschaften und Kulturen
im Heiligen Land wie in der Welt nur möglich durch Dialog und
Versöhnung der Religionen. Die Wahrnehmung trennender und
gemeinsamer Lebensziele soll uns allen helfen, die reale
Möglichkeit von Frieden in freundschaftlicher Nachbarschaft
oder zumindest in der Akzeptanz berechtigter Grenzziehung zu erkennen.
Denn wo Dialog gesucht und geführt wird, wissen wir uns auf
dem Weg unseres Gottes. Schließlich soll eine
schöpferische Neuentdeckung der Vergebung und
Versöhnung uns allen helfen, einen gemeinsamen Sinn
für Gerechtigkeit und Freiheit zu finden.
Wir lassen uns dabei vom Propheten Jesaja in die Pflicht nehmen, der in
seiner Vision über die verherrlichte Stadt verkündet:
"Um Zions willen kann ich nicht schweigen, um Jerusalems willen nicht
still sein, bis das Recht in ihm aufstrahlt wie ein helles Licht und
sein Heil aufleuchtet wie eine brennende Fackel" (Jes 62,1). Auf dem
Weg zu diesem hohen Ziel ist die Friedensakademie Beit Benedikt
für uns Mönche auf dem Zion unser Beitrag - um der
Menschen willen und zugleich als Verehrung Gottes im Geist der
benediktinischen Grundhaltung: "ut in omnibus glorificetur Deus - damit
Gott in allem verherrlicht werde!"
Jerusalem
am 9. Dezember 2002,
dem Hochfest der Erwählung Marias
Abt
Benedikt Lindemann OSB
Sie
können die Friedensakademie Beit Benedikt
unterstützen durch eine Spende auf das Konto der
gemeinnützigen Stiftung Hagia Maria Sion:
Konto Nr. 17 830 000,
Bank für Kirche und Caritas Paderborn,
BLZ 472 603 07.
Vielen Dank allen Spendern!
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