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Grußwort des Abtes

Abt Benedikt Lindemann OSB

Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Freundinnen und Freunde der Dormitio-Abtei!

"Einer bewegt viel, viele bewegen mehr" heißt es in einer Redensart. Und wie wahr sie ist, das wird mir als Abt der Dormitio hier in Jerusalem von Tag zu Tag klarer.

Der Berg Zion gilt der Tradition nach als der Ort, wo Christus der Gemeinschaft seiner Apostel die Eucharistie gestiftet hat, hier ist er ihnen nach seiner Auferstehung erschienen und hat ihnen den Frieden gewünscht, hier kam der Heilige Geist auf die versammelten Apostel herab (Apg 2,1-13), und hier fand um das Jahr 50 das erste Apostelkonzil (Apg 15,1-29) statt. Vor allem gilt der Berg Zion als der Ort der Urgemeinde, wo nach der Überlieferung die Mutter Jesu, Maria entschlief - daher der Name unserer Kirche und unserer Gemeinschaft, "Dormitio". So versuchen wir als Konvent gemeinsam, an diesem alten Ort christlicher Gemeinschaft und ebenso in Tabgha, am Ort der Brotvermehrung, den Aufgaben gerecht zu werden, die sich uns stellen.

Und Aufgaben gibt es hier mehr als genügend. Sei es, daß wir auf der Grundlage benediktinischer Gastfreundschaft (RB 53) einen Platz für friedensnotwendige ökumenische und interreligiöse Begegnungen bereithalten - wofür wir mit Hilfe unserer "Stiftung Hagia Maria Sion" und unserer " Friedensakademie Beit Benedikt" weitere Möglichkeiten schaffen möchten -, sei es die Sorge um die heiligen Stätten und die sie besuchenden Pilger und Touristen, oder sei es auch durch die Durchführung des ökumenischen Studienjahres für deutschsprachige Theologiestudentinnen und -studenten. In Tabgha ist eine unserer wichtigen Aufgaben die Gastfreundschaft in unserer Jugend- und Behindertenbegegnungsstätte; hier können Gruppen von Kindern, Jugendlichen, Behinderten und Senioren aus sozialen Einrichtungen im Land ihre Ferienlager durchführen.

Unsere erste Aufgabe sehen wir in unserer monastischen Existenz, auf die sich ja all unser Wirken und Tun gründet. Im Lobpreis Gottes und im fürbittenden Gebet, besonders um die Einheit der Christen und den Frieden und die Verständigung der Völker im Nahen Osten, sehen wir unseren vornehmsten Auftrag.

All das aber wäre nicht möglich ohne die Mithilfe von außen, die wir, Gott sei Dank, für diese und für andere Aufgaben und Vorhaben der Abtei immer wieder erhalten. Dabei sehen wir Mönche und Mitarbeiter der Abtei hierin das Zeichen, daß wir über den Zion hinaus in einer Gemeinschaft wohlwollender und hilfreicher Menschen stehen. Ihnen allen gilt unser Dank!

Aber wie heißt es im Psalm 127: "Wenn nicht der Herr das Haus baut, mühn sich umsonst, die daran bauen." Und so können wir unsere Pläne und Wünsche nur in seine Hände legen. Denn Gott hat uns zu unserer Aufgabe hier berufen, darum dürfen wir in der Zuversicht leben, daß er uns hier erhält und uns nicht allein läßt.

Mit Gottes Segen grüße ich Sie ganz herzlich auch im Namen unserer benediktinischen Gemeinschaft auf dem Berge Zion und in Tabgha

   Ihr

     + Benedikt Lindemann OSB