|
Die Geschichte unserer Gemeinschaft
Im Oktober 1898 konnte der deutsche Kaiser Wilhelm II. während
seiner Orientreise von Sultan Abdul Hamid ein Grundstück auf dem
Zion erwerben, das er dem Deutschen Verein vom Heiligen Lande "zur
freien Nutznießung im Interesse der deutschen Katholiken" übergab.
Damit war die Grundlage geschaffen, hier ein Benediktinerkloster, zunächst
unter dem Namen "Dormito Mariae" bzw. "Mariae Heimgang",
zu errichten.
1906 trafen die ersten Benediktiner aus der Abtei Beuron auf dem Zion
ein; am 10.4.1910 wurde die Kirche eingeweiht.
Während des Ersten Weltkriegs konnte das Klosterleben zunächst
ungehindert weitergehen; im November 1918 jedoch mußten die meisten
Brüder den Zion verlassen und wurden interniert. Das Kloster wurde
von belgischen Benediktinern übernommen, erst 1921 konnten deutsche
Benediktiner auf den Zion zurückkehren. Damit begann die wohl ruhigste
und friedvollste Zeit auf dem Zion, in der das Kloster bis zu vierzig
Mitbrüder zählte. Bis 1932 betreuten die Benediktiner auch das
Priesterseminar in Beit Jalla.
Am Fest Mariae Himmelfahrt 1926 wurde das Kloster zur Abtei erhoben; der
bisherige Prior P. Maurus Kaufmann OSB wurde der erste Abt der Dormitio.
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden alle Deutschen im Heiligen
Land interniert, so auch die meisten Mitbrüder der Dormitio; gegen
Kriegsende konnten sie auf den Zion zurückkehren.
1948 war für die Abtei ein schweres Jahr. Zuerst hatte nach einem
Blitzeinschlag ein Brand große Schäden angerichtet. Aufgrund
der politischen Ereignisse um die Teilung Palästinas und die Gründung
des Staates Israel wurden am 30. Mai die Mitbrüder evakuiert. Abt
Maurus Kaufmann OSB starb während der Evakuierung. Erst im Februar
1951 durften die Benediktiner in die Abtei zurückkehren, die durch
die Kriegsereignisse schwer beschädigt worden war. Der Zion war nach
dem Waffenstillstand israelische Militärzone am Rand des Niemandslandes
geworden.
1951 wurde die Abtei von der Beuroner Kongregation abgetrennt und direkt
dem Abtprimas unterstellt. P. Leo von Rudloff OSB wurde zunächst
Administrator, 1952 dann Abt der Dormitio. Er gründete in Weston
/ Vermont ein Priorat, das die Dormitio materiell und personell unterstützen
sollte.
Auch 1967 wurde das Kloster wieder vom Krieg in Mitleidenschaft gezogen.
Im folgenden Jahr löste sich das Priorat Weston von der Abtei; Abt
Leo trat zurück und ging nach Weston, wo er 1982 starb.
Nach einer Visitationsreise wurde 1969 der frühere Abt von St. Matthias
in Trier, Dr. Laurentius Klein OSB, zum Administrator der Dormitio ernannt.
Er stellte die Arbeit für die Ökumene, sowohl zwischen den christlichen
Konfessionen als auch im Trialog der drei monotheistischen Religionen,
als besondere Aufgabe der Abtei auf dem Zion in den Vordergrund seines
Wirkens. Er begründete auch das Theologische Studienjahr, das er
lange Zeit als Studiendekan leitete. 1998, nach Abschluß des 25.
Studienjahrs und Vollendung seines 70. Lebensjahres, kehrte P. Laurentius
nach St. Matthias zurück.
Im Jahre 1979, nach Ende der Administratur von P. Laurentius, wählte
die Gemeinschaft der Dormitio erstmals selbst ihren Abt: den früheren
Prior des Priorats Chevetogne in Belgien, Abt Nikolaus Egender OSB. Er
setzte die ökumenische Arbeit fort, wobei für ihn ein besonderer
Schwerpunkt auf den Ostkirchen lag. In seiner Amtszeit wurde die neue
Brotvermehrungskirche in Tabgha geweiht, deren Bau noch unter P. Laurentius
begonnen worden war. Auch die Jugend- und Behinderten-Begegnungsstätte
in Tabgha wurde in dieser Zeit eingerichtet. Nachdem Abt Nikolaus zweimal
für jeweils acht Jahre gewählt worden war, endete seine Amtszeit
1995.
Als sein Nachfolger wurde im August 1995 Abt Benedikt Lindemann OSB, zuvor
Novizenmeister der Abtei Königsmünster in Meschede, gewählt.
Sein Anliegen ist die innere Erneuerung der benediktinischen Gemeinschaft,
während die Aufgaben in der Ökumene, der Friedensarbeit und
im Studienjahr nach den bestehenden Möglichkeiten weitergeführt
und erweitert werden. Seit 1997 sind nach längerer Zeit wieder mehrere
Eintritte zu verzeichnen, so daß nun auch für das Wirken der
Abtei nach außen neue Kräfte zur Verfügung stehen.
Mit der Friedensakademie "Beit Benedikt" und der damit verbundenen
Stiftung "Hagia Maria Sion" kann die Gemeinschaft sich nun verstärkt
für Frieden und Verständigung im Heiligen Land einsetzen.
Im August 2003 wurde Abt Benedikt für weitere acht Jahre wiedergewählt.
Zum 15. August 2003 wurde das Kloster in Tabgha zum abhängigen Priorat
erhoben; der erste Prior ist P. Jeremias Marseille OSB.
Im Jahr 2006 feiert die Gemeinschaft ihr 100jähriges Bestehen.
|
|