Dormitio-Abtei > Gemeinschaft > Unsere Vertretung in Hildesheim

Brückenbogen zwischen Jerusalem und Hildesheim

"Haus Jerusalem", die Vertretung der Benediktiner vom Jerusalemer Zionsberg am Hildesheimer Lappenberg

St. Godehard, Hildesheim

Seit dem 1. Adventssonntag, dem 30.11.2003, haben wir mit dem "Haus Jerusalem" in Hildesheim eine Vertretung in Deutschland.

Sie erreichen uns dort unter:

"Haus Jerusalem"
Vertretung der BenediktinerDormitio-Abtei, Jerusalem
Lappenberg 12
31134 Hildesheim

Telefon 05121/69727-48
Fax 05121/69727-49
eMail

E-Mail

 



Unsere Gottesdienstzeiten:

Werktags (Montags bis Freitags):
7.00 h Laudes (Kapitelssaal)
18.00 h Vesper (Kapitelssaal)
18.30 h Eucharistiefeier (Kapitelssaal)

Samstags:
7.00 h Laudes (Kapitelssaal)
18.00 h Vorabendmesse (Basilika)

Sonntags:
10.30 h Eucharistiefeier (Basilika)


Gründonnerstag 1904, unsere Basilika ist noch Baustelle: Eine Kölner Pilgergruppe des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande ist auf den Zion nach Jerusalem gekommen, um bei der Einweihung der schon fertig gestellten Krypta dabei zu sein. In seiner Festpredigt führt Prof. Dr. Felten aus: "Mögen die Bogen, die sich hier aneinander wölben, Friedensbogen sein für diese Stätte, Friedensbogen für Land und Leute…" - Der Wunsch ist edel und richtig und gilt auch heute. Aber in den fast 100 Jahren, die seither vergangen sind, war weder dem Zion, noch Jerusalem, noch der ganzen Welt jener Frieden gegönnt, den sich die Menschen so sehr wünschen. Bogen aus Holz, Stein und Stahl wurden seither viele gebaut, nur allzu oft auch wieder durch Bomben und Feuer zerstört und dann auch wieder aufgebaut. Die Bogen unserer Kirche und unserer Krypta haben die verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzungen der vergangen Jahrzehnte überstanden. Die Bogen, die unsere Brüder mit ihrer europäischen Heimat verbanden, litten nur allzu oft. Und die Bogen aus Europa, die sich hier auf den Zion ausgestreckt haben, litten nicht weniger.

Gerade in den letzten beiden Jahren, die wieder einmal von Terror und Gewalt zwischen den beiden Völkern im Heiligen Land geprägt sind, spüren wir, wie sehr wir auf Gäste, Pilger und Touristen angewiesen sind, nicht nur wirtschaftlich. Und von den wenigen Gästen und Pilgern, die trotz allem ins Land kommen, erfahren wir, wie wertvoll vielen Christen ein Besuch an den Heiligen Stätten ist.

In den kaum 100 Jahren ihres Bestehens hat unsere Abtei immer wieder ihr Gesicht geändert, eines aber trug sich in den verschiedenen Arbeitsfeldern und Etappen stets durch: Im Sinne des Psalmwortes "Suche den Frieden und jage ihm nach", das auch Benedikt in der Regel zitiert, haben alle Mönchsgenerationen hier auf dem Zion und in Tabgha dafür gebetet und gearbeitet, Bogen des Friedens zu errichten und zu pflegen, innerhalb der einheimischen Bevölkerung, zwischen dem Heiligen Land und Europa, durch die Arbeit im Lateinischen Priesterseminar in Beit Jala, durch interkonfessionelle und interreligiöse Aktivitäten, durch das Theologische Studienjahr, durch die Begegnungsstätte für Behinderte und Jugendliche in Tabgha…

Die Erfahrung der vergangenen 100 Jahre lehrt aber auch, dass die zu dieser Arbeit auch in Deutschland erforderlichen Kontakte zu Privatpersonen und Institutionen der Pflege und des Ausbaus bedürfen, weshalb schon seit einiger Zeit in der Gemeinschaft überlegt wurde, eine Vertretung unserer Abtei in Deutschland einzurichten. - Praktisch umsetzbar wurde diese Überlegung jetzt dadurch, dass in der Bischofsstadt Hildesheim die Pfarreien umstrukturiert werden und die Diözese Hildesheim bzw. die Pfarrgemeinde St. Godehard uns das Pfarrhaus der Pfarrei St. Godehard zur Verfügung stellt. Auch wenn wir, wenn wir im Herbst diesen Jahres mit drei Mönchen nach Hildesheim kommen, keine Klosterneu- oder wiedergründung der alten Benediktinerabtei St. Godehard vornehmen, ist es doch schön, an alte benediktinische Wurzeln anknüpfen zu können, wo bis zur Säkularisierung schon fast 1000 Jahre lang Mönche gelebt, gebetet und gearbeitet haben.

St. Godehard, Hildesheim

Diese Vertretung unserer beiden Klöster hier im Heiligen Land soll wie eine Botschaft arbeiten: In einem Rotationsverfahren werden je drei Brüder dort für einige Zeit leben, um bestehende Kontakte zu pflegen und auszubauen, neue zu knüpfen. Die kleine Gemeinschaft in Hildesheim steht auch für Anfragen in punkto Zion und Heiliges Land zu Verfügung: Für Interessenten am Theologischen Studienjahr oder am Klosterleben, für Pilger, für alle Neugierigen… Von hier aus sollen außerdem Produkte aus dem Heiligen Land vertrieben werden, wie z.B. Olivenholzprodukte aus Betlehem oder Weihrauch aus eigener Produktion in Jerusalem. Mönche vom Zion und von Tabgha, die sich für kürzere Dienst- oder Urlaubs- und Erholungsreisen in Deutschland aufhalten, können ebenso dort wohnen, wie solche, die längere Zeit für ein Studium oder eine andere Ausbildung in Deutschland sind.

Wer also in Hildesheim an die Tür am Lappenberg 12 anklopft - so lautet dort unsere Adresse -, der wird dort ein bisschen Jerusalem und ein bisschen See Genezareth antreffen. Und wenn ihm einer der Mönche aus dem Orient dann eine Tasse arabischen Kaffee anbietet, kann er vielleicht fragen, was er schon immer über Ostern in Jerusalem oder Weihnachten in Betlehem und über den Frühling in Galiläa wissen wollte. Und wer sich mit den Mönchen an den Eckzeiten des Tages zum Chorgebet oder zur Eucharistiefeier in der großen Godehardsbasilika oder im ehemaligen Kapitelsaal trifft, und dann mit ihnen unter den romanischen Gewölben und Bogen die Psalmen der Jerusalemer Tempelliturgie singt und sich im Hören auf die alten Texte der Heiligen Schrift und im Feiern des Leidens, Sterbens und der glorreichen Auferstehung Jesu Christi in die Gegenwart der Heilstaten Gottes setzt, der mag mithelfen, dass die Bogen der Brücken zwischen dem Heiligen Land und Europa sich festigen, damit die Bogen der Godehardsbasilika und die Bogen der Marienbasilika auf dem Jerusalemer Zionsberg und die Bogen aller Kirchen auf dem weiten Erdkreis Friedensbogen sein können. Friedensbogen für Land und Leute.


            Br. Basilius Schiel OSB

Zum Thema:
Predigt von Abt Benedikt Lindemann OSB am Fest Kreuzerhöhung zur Aussendung der ersten Brüder in die Vertretung St. Godehard in Hildesheim am 14.9.03

Predigt von Abt Benedikt Lindemann OSB am 1. Advent 2003 (30.11.2003) zur Eröfnung der Vertretung St. Godehard in Hildesheim