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"Die konkrete Wirklichkeit der Liebe Gottes"
P. Jeremias Marseille OSB in der Heiligen Nacht
- 24.12.2005
Predigt des Priors von Tabgha, P. Jeremias
Marseille OSB, zur Heiligen Nacht. Der englischsprachige Teil richtet
sich an mitfeiernde Gläubige, die in diesem Jahr aus Israel, Italien,
Irland, Vietnam und den Philippinen kamen.
"Uns ist ein Kind geboren
Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter;
man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit,
Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß, und der Friede
hat kein Ende."
Liebe Schwestern und Brüder,
in dieser hochheiligen Nacht feiern wir die Geburt Jesu, des Sohnes Gottes,
der hier am Seeufer in Liebe und Wahrheit den Frieden des allbarmherzigen
Vaters verkörperte; und es seither fortwährend in den Herzen
der Menschen und im Herzen der Welt tut.
Möge uns dankbar bewusst sein, was es bedeutet hier an diesem Gnaden-Ort
des Wirkens Jesu seine Geburt in die Welt feiern zu dürfen, auf dass
wir mit einstimmen in das erste Weihnachtslied der Geschichte, dem Lied
der Engel: "Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf
Erden den Menschen seiner Gnade."
Die Ehre Gottes steht am Anfang. Erst aus der Ehre, die wir Gott entgegenbringen,
erwächst der Friede auf Erden den Menschen.
Wir unterschätzen nur die Konkretheit dieser Anweisung der Engel.
Wir unterschätzen die Konkretheit der Inkarnation Gottes, in der
Christus sich in unseren Herzen und im Herzen der Welt zur Geburt bringen
möchte. Denn - wenn wir dafür bereit sind - erschüttert
Seine Geburt den ganzen Menschen in einer Macht der Liebe, die alle Gedanken
übersteigt, das Herz weitet, Verhärtungen aufweicht, selbst
gemachte Vorstellungen und Selbstbezogenheiten zum Einsturz bringen wie
den Turmbau zu Babel. Wenn uns die Liebe der Geburt Jesu erfasst, gehen
wir den Weg der Entäußerung unserer selbst, dem entgegen, der
sich für uns gänzlich entäußert hat.
Von daher ist Weihnachten keine harmlose Zeit, sondern Gnadenzeit, in
der Christus allen Herzen ganz nahe ist, um in denen, die sich wirklich
nach IHM sehnen, Wohnung zu nehmen. Möge heute Seine Geburt in uns
Raum ergreifen, und so auch der Friede Gottes als himmlische Gabe und
göttliche Gnade.
Die ermutigende Botschaft der Engel ist uns noch im Ohr: "Fürchtet
euch nicht!" Doch wie viele Menschen haben mehr Angst vor der Liebe
und dem Leben als vor dem Tod. "Fürchtet euch nicht!"
Und wenn die Liebe kommt und die Furcht vergeht, erkennen wir, wie konkret
die Liebe ist. Sie erschüttert und verwandelt den Menschen. Wir feiern
kein Fest der frommen Ideen oder schönen Gefühle, sondern der
realen Wirklichkeit der Liebe Gottes, die ebenso konkret ist wie Jesus
von Nazareth, der hier in Galiläa unter den Menschen gelebt hat.
Erst im verwirklichten Glauben an die reale Menschwerdung Gottes, wird
uns das Ausmaß der Friedensbotschaft deutlich, die uns in diesen
Tagen unser Heiliger Vater, Papst Benedikt, zusagt; er schreibt: "Alle
Menschen gehören ein und derselben Familie an. Die übertriebene
Verherrlichung der eigenen Verschiedenheit steht im Widerspruch zu dieser
Grundwahrheit. Man muss das Bewusstsein, durch ein und dasselbe, letztlich
transzendente Schicksal vereint zu sein, wiedererlangen, um die eigenen
historischen und kulturellen Verschiedenheiten am besten zur Geltung bringen
zu können, indem man sich den Angehörigen der anderen Kulturen
nicht entgegenstellt, sondern sich mit ihnen abstimmt
Jede Art einer
Verachtung des anderen Menschen und seines Lebens ist eine Beleidigung
und letztlich Verachtung Gottes selbst
(Umgekehrt ist) die Anerkennung
der vollständigen Wahrheit Gottes die unerlässliche Vorbedingung
für die Stärkung der Wahrheit des Friedens. Gott ist Liebe,
die rettet, ein liebevoller Vater, der sehen möchte, dass seine Kinder
sich gegenseitig als Geschwister erkennen
Es ist notwendig, in jedem
das Bewusstsein wachsen zu lassen für die Dringlichkeit, die Wahrheit
des Friedens immer tiefer zu entdecken
" - soweit in Auszügen
aus der Friedensbotschaft Papst Benedikts.
Was kann das für uns heißen - konkret?
Dass wir Schwestern
und Brüder in Tabgha, die wir eine unterschiedliche Herkunft mitbringen,
uns gegenseitig zur Geltung bringen und aufeinander abstimmen.
Dass wir einander
stützen und tragen auf dem Weg Gottes mit uns, insbesondere den Mitbruder
oder die Mitschwester, der oder die es gerade schwer hat, und so Zeugen
Seines wahren Friedens und seiner ungemachten Freude werden.
Dass wir uns gegenseitig
zum Wagnis der Stille ermutigen. Denn "als tiefes Schweigen das All
umfing, da kam Dein allmächtiges Wort, o Gott, vom Himmel herab
"
so singen wir; weil wir wissen, dass Gottes Wort Fleisch wird, wenn wir
selbst kein Wort mehr haben; weil wir wissen, dass die Wandlung unseres
Wesens Gott allein wirkt im Schweigen.
Des weiteren sollten
wir die große Friedensbotschaft, die allen Menschen gilt, im Kleinen
beherzigen, in der einzelnen Begegnung mit unseren Gästen und untereinander
konkret werden lassen.
Angesichts der
schwierigen Lage des Landes heißt die allumfassende Friedensbotschaft
auch, dass wir uns nicht auf eine Seite der Mauer stellen, nicht pro-israelisch
oder pro-palästinensisch eingestellt sind, sondern pro-menschlich,
im Wissen um die existenzielle Angst der einen und die existenzielle Verzweiflung
der anderen. Doch die nie endende Wahrheit und Liebe der Geburt Christi
macht vor keiner Mauer, vor keiner Angst und Verzweiflung halt.
Die Liste ließe sich fortsetzen. Wie dem auch sei; wenn ich wirklich
davon ausgehe, dass dieses kleine Würmlein Mensch, Jesus, geboren
in einem elenden Stall, "das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene
der ganzen Schöpfung (ist)" (Kol 1,15) Wenn dieser Glaube in
mir Gestalt annimmt, dann wird Gottes Liebe zum Anfassen konkret. Nichts
anderes meint Weihnachten, Menschwerdung, Inkarnation.

My dear Sisters and Brothers, I wish You all a blessed
and graceful Christmas in your heart. May you receive the gift of the
One who become poor, pouring out his life, so that the world might be
enriched by his joy and peace! All of you, my dear sisters and brothers,
my dear visitors of our Christmas-Ceremony, I wish you grace and joy in
this days. May God's peace rise up in our hearts and illuminate our mind,
so that the power of real peace and hope may penetrate our daily life
- especially here in this country of Israel and Palestine - Schalom and
Salam.
We should not underestimate the concretnes of incarnation, the concretnes
of love, in which Jesus Christ want to be born in the hearts of man and
in the heart of the world. Our Pope, Benedikt XVI`s, speaks in this days
in his message of Peace to the world about the consciousness of the unity
of all mankind, united in one transcendent destiny. It is urgent for the
life of our planet to discover the full truth of peace by accepting the
full truth of God, who is love.
May this Christmas become a blessing to us
by His love.
Merry Christmas
Buon Natale
Feliz Navidad
Malikajang Pasko
Frohe und gesegnete Weihnachten
wünsche ich jedem und jeder von euch
aus ganzem Herzen.
P. Jeremias Marseille OSB
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