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Die Tür des Hauses Gottes
Ansprache
zur Feier der zeitlichen Profess von Pater Jakobus am 06.April 2008 (3.
Ostersonntag) von Abt Benedikt Maria Lindemann OSB
Lieber P. Jakobus,
liebe Brüder, liebe Schwestern und Brüder!
Nach Beendigung deiner Kandidatur, des Postulats und des Noviziates
bindest du dich in dieser Stunde mit einem Gelübde
für drei Jahr an die Gemeinschaft der Benediktinerabtei
Dormitio Beatae Mariae Viriginis in Jerusalem, Tabgha und Hildesheim.
Dieses Versprechen mit den Elementen der Beständigkeit, des
klösterlichen Lebenswandels und des Gehorsams beruht auf
Gegenseitigkeit. Es ist eine Hilfe, die uns gemeinsam dem einen Ziel,
der himmlischen Heimat, dem Haus des barmherzigen Vaters und dem Zelt
der ewigen Liebe, entgegenführt.
Du trittst nun eine in den Kreis der benediktinischen Mönche
auf dem Zion, trittst ein in das Haus Gottes auf Erden! Auf Erden!
Nicht schon in den Himmel! Aber wissend und hoffend soll schon hier und
heute, Tag für Tag ein Schimmer der göttlichen Freude
für jeden von uns aufleuchten, so dass wir als
Weggefährten einander beistehen. Das meint benediktinisches
Mönchsein.
Wie auf der Einladungskarte zur heutigen Professfeier steht die
Tür des Hauses Gottes offen – in dieser Stunde
für dich, P. Jakobus. Wir wissen, die „Alte
Eingangstür“ zur Dormitio schmücken die
Facetten des ewig jungen Themas der Menschheit im Bild des Hohenlieds
der Liebe aus dem Alten Testament.
Das Lied der Liebe Gottes lädt jeden ein – auch uns
Mönche. Doch wer erwartet, dass hinter der
Eingangstür das pure Licht auf den Eintretenden wartet, das
Kloster als Paradies, als Himmel auf Erden, der wird
enttäuscht. Stufen sind es, Stufen, die emporgestiegen werden
müssen, bevor der Mönch in ein Halbdunkel tritt
– direkt neben der Kapelle, die zum Gebet einlädt.
Danach schließen sich die alltäglichen
Räume der klösterlichen Gemeinschaft an, die uns
durch unser Leben, durch Gebet, Meditation, Arbeit und Ruhe zu einer
Ordnung verhelfen wollen. Die Räume und die Ordnung helfen
uns, den immer wieder gefährdeten Rhythmus unseres Lebens neu
zu suchen und zu finden. Nicht als Selbstzweck für ein
„ruhiges Leben“, sondern als Unterstützung
für das einzige Ziel, das der Mönch hat: einzugehen
in die Liebe und den Frieden Christi.
Das Ziel der Liebe Christi mit brennender Sehnsucht im Herzen tragen,
gehen wir durch frohe und beschwerliche Stunden, ertragen wir den
schwierigen Mitbruder, erfreuen uns an dem Reichtum verschiedener
Charaktere und Begabungen, beugen uns der manchmal belastenden Arbeit,
leiden wir an den eigenen Schwächen und Fehlern, sind dankbar
die die kleinen Fortschritt im geistlichen Leben, stoßen uns
rund und wund an der gegebenen oder erfahrenen berechtigten oder unfair
erlebten correctio fraterna.
Ja, das Leben im Kloster ist komplex und nicht immer einfach; aber je
einfacher ich werde, umso leichter und schöner ist es. Das
Ziel der Liebe Christi mit brennender Sehnsucht im Herzen tragend, sind
wir benediktinischen Mönche im Hause Gottes gleichsam Bewohner
der Zukunft. Darauf kommt es an. Diese Sehnsucht soll der
Mönch beständig zu entfachen suchen. Darin liegt der
Reichtum unseres Lebens und unser beständiges
Bemühen. Ja, der benediktinsche Friede ist keine
gemütliche Ruhe. Die pax benedictina beruht auf der
Einübung einer geordneten, rechten, liebevollen
Lebensführung. Doch auch hier gilt es wachsam zu sein und zu
unterscheiden: jede Störung meiner selbst-gezimmerten Ordnung
kann gerade auch eine Einladung zur Liebe sein. Auch die Ordnung ist
kein Selbstzweck! Benediktinscher Friede meint: im Wissen oder Glauben
um die wahre Heimat mit Gelassenheit und unverkrampften Engagement das
Gute in der Welt gestalten – auch in der kleinen Welt der
klösterlichen Gemeinschaft. Die christliche Liebe
wächst nur durch gelebtes Zeugnis.
Beim Hören und Lesen der Regula Benedicti erstaunt mich immer
wieder, mit welchem Nachdruck und wie häufig Benedikt Worte
gebraucht wie: eilen, suchen, aufgeschreckt, laufen, aufstehen. Eine
Gefahr wittert der geistliche Meister in der schläfrigen Ruhe;
der Mönch aber soll ein wachsamer Lebenskünder des
Friedens Christi sein. Das soll der Mönch tagtäglich,
Jahr für Jahr immer wieder neu einüben. Noch die
letzten Verse der Regel, die wir in der Kurzlesung hörten,
verweisen inhaltlich wieder auf ihr Vorwort. Die Worte wiederholen
sich: Anfänger, Hilfe Christi, entgegeneilen! Das gilt auch
für dich, P. Jakobus, und für jeden deiner
Brüder, damit wir nicht stolz werden und uns im geistlichen
Leben schon weit fortgeschritten dünken: der
Klausurschlüssel für das Haus des Herrn ist die
Demut! Um es in einen Satz zu fassen: der benediktinische
Mönch bleibt ein Anfänger auf der Wanderung des
geistlichen Lebens, in dem er mit der Hilfe Christi der himmlischen
Heimat entgegeneilt. Das ist sozusagen das A und O, der Anfang und das
Ende der Regel. Nicht perfekte Leistung, nicht belegbarer Erfolg, nicht
Prinzipien, nicht Karriere, nicht Vielwissen machen den Mönch
aus; das alles stresst nur. Der Eintritt und der Weg führen
über Stufen, manchmal recht steil und unbequem in die
Höhe. Das stimmt für benediktinische Klöster
bildlich und oft real. Das benediktinische Haus der Herrn steht meist
auf einem Berg wie unsere Abtei auf dem Zion.
Was bedeutet das in unserem Zusammenhang? Die Antwort mag für
viele überraschend sein. Aber die Regula Benedicti verbirgt
doch in einem bedeutenden Teil die Frohe Botschaft Christi, die der
Mönch gleichsam wie Goldkörner aus dem Rhythmus der
Tage und Jahre seines Lebens herauswaschen soll. So schreibt Abt Georg
Holzherr von Einsiedeln dazu in seinem Kommentar zur Regel:
„Etwa 25mal zitiert die RB die Bergpredigt (Mt 5, 1-12) oder
spielt auf sie an, etwa 5mal auf die Seligpreisungen. Vor allem im
spirituellen Teil will die Regel zu den in den Seligpreisungen und in
der Bergpredigt angesprochenen Qualitäten führen. Wie
das Wasserzeichen für die Güte eines Papiers
bürgt, ohne auf den ersten Blick sichtbar zu sein, sind die
von Jesus gepriesenen Qualitäten Thema in unserer Regel, auch
wenn dies nicht jedes Mal ausdrücklich gesagt wird.“
In den Seligpreisungen werden nicht die Mächtigen, Reichen,
Schönen, Starken, Klugen und Weisen selig gepriesen, sondern
die Schwachen, Kleinen, Armen, Demütigen, Benachteiligten. Zu
ihnen will der Mönch sich gezählt und erkannt wissen.
Das zu akzeptieren und leben zu lernen ist wahrlich eine
Herausforderung an den Mönch.
Das Haus Gottes, das Leben des benediktinischen Mönches, dein
Leben, P. Jakobus, steht auf der Höhe der Bergpredigt. Die
geöffnete Tür des Lieds der Liebe lädt dich
und uns alle Tag für Tag neu ein, demütig
einzutreten. Komm, wir gehen gemeinsam. Lass uns mit brennender
Sehnsucht im Herzen die Liebe Christi im Hause Gottes leben. Je
ein-zieliger ich das spreche, umso beglückender ist es. Ja, so
ist es!
Amen. Halleluja!
Abt
Benedikt M. Lindemann OSB
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