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"...dem einen Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen."
Ansprache von P. Basilius Schiel OSB zur
Vesper in St. Godehard, Hildesheim, am 1.2.2004
Liebe Schwestern und Brüder,
für die einen war es vermutlich neu, diejenigen, die schon mal mit
uns im Kapitelsaal die Laudes oder die Vesper gebet haben, kennen es
bereits: In unserer Gemeinschaft vom Berg Zion und von Tabgha
beschließen wir den Psalm nicht mit der üblichen Formel:
"Ehre sei den Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang,
so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.", sondern mit: "Ehre
sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, dem einen Gott von
Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen."
Der markanteste Unterschied zwischen der herkömmlichen Formel und
unserer liegt in den Worten "dem einen Gott". - Dem einen Gott. Das ist
eine Betonung, die man gerade in Jerusalem durchaus setzen darf:
Fällt es uns Christen schon schwer genug, mit der Dreifaltigkeit,
oder besser: Dreieinigkeit aus Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist,
umzugehen - nicht umsonst haben sich Bischöfe und Theologen,
Synoden und Konzilien die Köpfe darüber heiß geredet,
wenn nicht schlimmer… - wenn es also uns Christen schon schwer
fällt, um wie viel schwerer müssen sich dann Muslime und
Juden mit diesem drei-einen Gott aus Vater, Sohn und Heiligem Geist
tun. - Daher "dem einen Gott". Vielleicht eine auf den ersten Blick,
sagen wir, verteidigungspolitische Formulierung, um sich nicht dem
Vorwurf der Juden und Muslime auszusetzen, wir Christen betrieben
irgendwelche Formen von Vielgötterei. Vielleicht.
Aber: Dieses "dem einen Gott" greift tiefer. Und es lohnt sich,
darüber noch etwas nachzudenken.
Schauen wir zuerst noch einmal kurz auf das Judentum: Eine der
spannendsten Fragen, mit denen sich jüdische Gelehrte aller Zeiten
beschäftigt haben, ist die nach dem Namen Gottes. Schon Mose hat
ja diese Frage am brennenden Dornbusch gestellt: Wenn ich jetzt zu den
Israeliten zurückgehe, um sie aus der Gefangenschaft Ägyptens
herauszuführen, so wie du es gesagt hast, dann werden sie mich
fragen: Wie heißt denn dieser Gott, der dich zu uns schickt? -
Eine ganze Namenstheologie hat sich daraus entwickelt. Und jener Name,
der uns Christen oft so leicht über die Lippen geht: "Jahwe", den
spricht kein Jude jemals aus, aus Ehrfurcht. Er wird, wann immer er auf
diese vier hebräischen Buchstaben stößt, sagen "der
Herr", oder sogar nur "der Name". - Und darüber hinaus hat das
Judentum auf der anderen Seite viele Namen für Gott gefunden: El
Eljon, der Höchste, El Schaddaj, der Allmächtige oder der
Allerhöchste, El Olam, der Ewige… um nur einige zu nennen.
Und doch wird für jeden Juden gelten, was er mit den Worten aus
dem Buch Deuteronomium so viele tausend Male in seinem Leben betet:
"Höre Israel! Der Herr, unser Gott, der Herr ist einzig!" - Dem
einen Gott…
Ähnlich ist es bei den Muslimen: Der Koran kennt die 99 Namen
Allahs, die ein frommer Muslim immer und immer meditiert, aber die
Grundaussage des islamischen Glaubens ertönt fünfmal am Tag
in der ganzen muslimischen Welt vom Minarett der Ruf "Allahu akbar" -
"Gott ist größer" - als Einleitung der Gebetszeiten, zu
denen auch stets die erste Sure des Koran gehört, in der es
heißt: "Dir allein dienen wir, und zu dir allein flehen wir um
Hilfe." - Dem einen Gott…
Immer wieder gab es und gibt es in der Kirche Vereinseitigungen im
Gottesbild: Die einen machen Jesus allzu schnell zum Bruder und zum
Sozial-Revolutionär, der gegen die Oberen und die Konventionen
gekämpft habe. Andere betonen Gott als den ewigen und fernen
König, vor dem der Mensch als Sünder niemals Bestand haben
könne. Wieder andere meinen, mit dem vermeintlichen Wirken des
Heiligen Geistes alle möglichen Ideen und Praktiken erklären
zu können. - Es ist keine Frage: Unrecht haben sie alle nicht.
Recht haben sie aber doch wohl nur alle zusammen. Denn nur alle
zusammen können auch nur annähernd wie ein Mosaik Gott
beschreiben: den EINEN Gott.
ER, der Eine Gott - und wir die vielen. Die vielen zerstrittenen
Völker. Die vielen in sich verschlossenen und eingekapselten oder
ausgeschlossenen, vereinzelten und vereinsamten Menschen. Unser ganzes
Leben besteht aus dem Vielen: Viele Fernsehprogramme, viele
Marmeladensorten, womöglich auch mehrere Berufsausbildungen und
Partnerschaften. - Und in uns: Ich in meiner Familie. Ich im Beruf. Ich
im Pfarrgemeinderat. Ich im Sportverein. - Das viele, vielleicht
zerstückelte in uns… - Dagegen Gott: ER der EINE.
Bei allem Wandel, bei aller Reform, bei allem Umsturz - in meinem
eignen Leben, im Leben der Familie oder Klostergemeinschaft oder
Pfarrgemeinde - ER bleibt derselbe und er bleibt der EINE.
Vielleicht ist gerade diese Einheit Gottes das, was Ihn in unseren
Tagen des Pluralismus und der Globalisierung auszeichnet: Dass ER der
EINE ist.
Und deshalb dürfen wir auch alle Psalmen vor diesem Einen Gott
beten, auch in Stellvertretung für andere, die nicht mehr beten
können oder wollen: Wir dürfen für sie klagen und
dürfen wir sie danken; wir dürfen Gott anschreien, dass Er
doch Hilfe bringe, und wir dürfen vor Ihm unsere Sünden
bekennen: Dem einen Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
P. Basilius Schiel OSB
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