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20. Rundbrief - 11. Juli 2001 - Hl. Benedikt

Nachrichten aus Tabgha

Liebe Freundinnen und Freunde unserer benediktinischen Gemeinschaft in Jerusalem und hier in Tabgha am See Genesareth!

"Ihr sucht JESUS, den Gekreuzigten. ER ist nicht hier! ER ist auferstanden... ER geht euch voraus nach Galiläa." Die Botschaft des Engels an die Frauen am ersten Ostermorgen nach dem Evangelium des Markus weist darauf hin, daß Galiläa nicht nur die Gegend des irdischen JESUS ist, sondern ebenso auch die Seines ersten Offenbarwerdens nach Seiner AUFERSTEHUNG. Den in den normalen Alltag zurückgekehrten Fischern begegnet JESUS, der CHRISTUS, unerwartet und unumkehrbar am Ufer des Sees von Tiberias, wie es der Evangelist Johannes beschreibt. Erst zaghaft und vorsichtig beginnt der Glaube an den AUFERSTANDENEN - den Fürsten des Friedens - unverhofft und unausweichlich im ganz gewöhnlichen Alltag.
Galiläa ist die freundliche Gegend eines ursprünglichen Anfangs im Vergleich zur spannungsgeladenen Atmosphäre der leuchtenden Stadt Jerusalem, in der alles auf dem Spiel steht. Zunächst einmal ist es ein großes Geschenk und ebenso eine geistliche Herausforderung, hier wie dort leben zu dürfen.

Die biblischen Verortungen spiegeln sich in der heutigen politischen Situation Israels wieder. Wir leben hier in einer der ruhigen Regionen des Landes und erhalten die Nachrichten wie Sie auch über das Fernsehen oder unmittelbarer über direkt Betroffene aus dem Land, die als Gäste nach Tabgha kommen. Wer von Ihnen schon hier sein konnte, weiß, daß Tabgha ein "kleines Paradies" ist. Wir sind froh, daß trotz deutlichen Rückgangs der Übernachtungszahlen weiterhin palästinensische wie israelische Behinderte zu uns kommen können. Karin und Meinrad Bauer, die Leiter unserer Jugend- und Behindertenbegegnungsstätte, schreiben Näheres dazu. Besonders erwähnen möchte ich eine Gruppe von Senioren aus der Altstadt Jerusalems, die für einige Tage hier ausspannen konnte.

Als Fundament unseres äußeren Dienstes bedarf es eines inneren Dienstes; und das soll die vornehmliche Aufgabe unserer kleinen benediktinischen Gemeinschaft sein: sich immer wieder beherzt auf GOTT zu besinnen, den wahren Friedensfürsten, wo es kein "für" und "wider" gibt, das Geschenk des konkreten Ortes von TABGHA zu verstehen und zu heben und an ihm das Gebet um den FRIEDEN zu suchen. Das heißt auch, sich nicht emotional auf eine der sich bekämpfenden Seiten ziehen zu lassen (was nicht immer leicht ist), sondern die Aufmerksamkeit auf die innere Friedens-Sehnsucht des Menschen zu lenken, der oftmals hungert an Körper, Seele und Geist. Mögen sich Menschen auch heute noch hier niederlassen dürfen, ohne weggeschickt zu werden!

Uns Ausländern, die wir nicht direkt betroffen sind von der politischen Lage hier im Land, sollte es möglich sein, diese innere Freiheit zu leben, und wenn es stellvertretend und einladend für jene ist, denen dies zur Zeit nicht mehr möglich ist!

Kommen zum Glück noch Gäste aus dem Inland, so fehlen uns die Gäste aus dem Ausland. Viele deutsche Gruppen haben abgesagt. So ergeht es uns bzgl. des wirtschaftlichen Drucks nicht anders als den anderen kirchlichen und öffentlichen Häusern, die vom Pilgertourismus abhängig sind.

Dennoch bin ich überrascht und dankbar, daß trotz vieler Absagen der Faden von Einzel-Gästen nie ganz abgerissen ist. Es fällt mir besonders auf, wie sehr sie in stiller, treuer und überzeugender Weise unseren Alltag in den Stundengebeten und Eucharistiefeiern mittragen. Besonders erwähnen möchte ich die Exerzitiengruppe des Freundeskreises, die unter der Leitung von Pfr. Ludger Bornemann und Frau Resi Borgmeier u. a. auch eine Woche bei uns waren. Es tat mir gut, konkreten Menschen des Freundeskreises zu begegnen; so habe ich jetzt konkrete Gesichter vor Augen. So war ich auch im Mai bei der Vorstandssitzung des Freundeskreises in München und möchte - soweit es möglich ist - auch in Zukunft dabei sein. An dieser Stelle sage ich Ihnen ein ganz herzliches Vergeltīs Gott für Ihre Unterstützung, auf die wir angewiesen sind, die aber in keinem Fall selbstverständlich ist: Herzlichen Dank, und seien Sie willkommen in Tabgha!

Aus dem Innenleben unseres Klosters möchte ich Ihnen von einigen herausragenden Festen erzählen. Da ist die Feier des 80. Geburtstags von P. Hieronymus Brizic und P. Bargil Pixner am 23. März 2001. Alle Brüder aus Jerusalem, die abkömmlich waren, kamen nach Tabgha. In einem feierlichen Pontifikalamt, dem Abt Benedikt vorstand, richteten wir miteinander singend und betend den Dank an GOTT für ein wechselvolles und reiches Leben von zwei Mitbrüdern, auf deren Schultern wir im Zuge eines Generationenwechsels heute hoffnungsvoll weiterbauen dürfen. P. Hieronymus bekam von uns eine lang ersehnte Reise geschenkt und P. Bargil einen Altersstab, so daß ab jetzt zu hohen Festtagen unsere beiden "Patriarchen" mit Altersstäben in die Liturgie einziehen können.

P. Hieronymus feierte seinen Geburtstag bereits am 8. Februar 2001 im Kreis seiner Familienangehörigen in seiner Heimat in Kroatien. Anschließend reiste er im Rahmen seines Urlaubs von München aus nach Damaskus - ein weiter Umweg! Denn von Tabgha aus wäre es eigentlich nur ein Katzensprung nach Syrien gewesen, liegen wir doch geographisch näher an Damaskus als an Jerusalem. P. Hieronymus hofft immer noch darauf, einmal an einem Sonntagnachmittag einen Ausflug nach Damaskus zu machen. Wenn auch die derzeitige Situation alles andere als eine solche Perspektive verheißt, sollten wir mit ihm diese Hoffnung nicht aufgeben. Ein Höhepunkt seiner Reise war sicher ein Treffen mit dem neu ernannten Oberhaupt der melkitischen Katholiken, Patriarch Gregor III., der in früheren Zeiten als Erzbischof Lutfi Laham von Jerusalem häufig und gerne nach Tabgha gekommen war und P. Hieronymus gut kennt.

An dieser Stelle möchte ich besonders Frau Erna Seidl aus München danken, die für P. Hieronymus diese Reise vorbereitet und ihn fürsorglich begleitet hat und darüber hinaus auch für ihn sorgt, wenn er nach Deutschland in Urlaub geht. Vergeltīs Gott!

Zur gemeinsamen Geburtstagsfeier am 23. März 2001, dem 80. Geburtstag von P. Bargil, waren alle vier seiner noch lebenden Geschwister aus Südtirol angereist. Mit ihnen hatte er ein "strammes Programm" an seine biblisch-archäologischen Wirkstätten unternommen.

Zur Zeit sitzt P. Bargil unter engagierter Mitarbeit seiner langjährigen guten Bekannten und amerikanischen Archäologin, Frau Dr. Elizabeth McNamer, an der Vorbereitung seines 3. Buches über das Leben der Urchristen in Jerusalem. Erst kürzlich wurde das von beiden erstellte Video über "Das fünfte Evangelium" veröffentlicht.

Ein weiteres herausragendes Fest waren die Gottesdienste in den Kar- und Ostertagen. Br. Samuel Elsner aus unserer Gemeinschaft in Jerusalem übernahm in beschwingter und wohltuender Weise die musikalische Leitung. Pfr. Ludger Bornemann, der als Münsteraner Priester bereits seit fünf Jahren hier in der Gemeinschaft von Tabgha lebt, prägte aus seinen Erfahrungen der letzten Jahre die Liturgie. Ich bin ihm sehr dankbar für unser einvernehmliches Miteinander und seine diskrete Unterstützung in den ersten Monaten meines Hineinwachsens hier in Tabgha. Bald wird er als geistlicher Direktor des neuen Pilgerhospizes vom Deutschen Verein vom Heiligen Land in die unmittelbare Nachbarschaft ziehen. So bleiben wir Nachbarn, worüber ich sehr froh bin.

Am 23. Mai 2001 kamen die meisten Brüder aus Jerusalem - diesmal zusammen mit den Mitarbeitern der Abtei und ihren Angehörigen - zu unserem großen Kirchweihfest, dem "Tabgha-Fest", angereist. Im Mittelpunkt stand ein sehr feierlicher Gottesdienst, der uns in dankbarer Freude unseren biblischen Ort, seine wechselvolle Geschichte und seine in ihrer Schlichtheit und Klarheit kaum zu übertreffenden Kirche bewußt werden und er-innern ließ. Nahtlos ging die Feier weiter bei einer barbecue party, bereitet von unserem arabischen Koch Ibrahim an langen Tischen im Garten bei sommerlich heißen Temperaturen unweit des pools, der sich anschließend zur Erfrischung großer Beliebtheit erfreute, bevor der Bus mit den fast 40 Gästen wieder nach Jerusalem zurückfuhr.

Zur Zeit beginnt eine personelle Veränderung in unserer "Tabgha-Familie": Am 14. Juni 2001, dem Fronleichnamsfest, ist P. Elias Pfiffi aus Jerusalem für die nächsten zwei Jahre als mein Stellvertreter bei uns eingezogen. Ich freue mich sehr, daß er hier ist. Er wird den Gästebereich übernehmen, um den sich bisher Pfr. Ludger Bornemann gesorgt hat. Wenn Sie sich also in Zukunft zu einem Besuch in Tabgha anmelden, werden sie am Telefon P. Elias kennenlernen. Ich wünsche ihm GOTTES SEGEN, daß er sich auf seinem geistlichen Weg als Benediktiner hier gut beheimaten kann! Mitte August wird unser Br. Josef San Torcuato als weiterer Mitbruder hierher kommen und uns neben anderen Aufgaben besonders als Kantor im Gesang unterstützen. Dann sind wir hier schon ein richtiger kleiner Konvent mit unserem ortserfahrenen P. Hieronymus und zeitweise mit P. Bargil, der aber in Zukunft seine Zelte verstärkt im Jerusalemer Konvent aufschlagen wird.

Auch bei den philippinischen Schwestern gibt es personelle Veränderungen. Sr. Kristia und Sr. Isabelle, die einige Jahre hier unterstützend mitgelebt und mitgearbeitet haben, sind am Osterdienstag wieder auf die Philippinen zurückgeflogen. Im Kloster-Innenhof der Schwestern feierten wir bei philippinischem Essen und Bambu-Tanz einen herzlichen Abschied. Beiden Schwestern danke ich von Herzen für ihr lebendiges Engagement und ihre wohltuende Präsenz hier in Tabgha. Möge sich ihr persönlicher Weg unter GOTTES SCHUTZ und SEGEN in ihrer Heimat weiter entfalten. Zur mehrmonatigen Aushilfe sind Sr. Angela, Sr. Dominic und Sr. Maternidad bei uns. Mit ihnen kam Sr. Natalia, die hier bleiben wird, um den zukünftigen Konvent zu verstärken. Sr. Andrea, die Oberin der Gemeinschaft, erlernt zur Zeit die deutsche Sprache in Münster. Wir freuen uns auf ihre Rückkehr Anfang September. Und Ende Juni werden aus Münster drei weitere Schwestern zu uns kommen, die den Deutsch-Sprachkurs bereits hinter sich haben. Zwei von ihnen werden im neuen Pilger-Hospiz des DVvHL in der Nachbarschaft mitarbeiten.

Ein Wechsel steht auch bei unseren Zivildienstleistenden an. Markus Külken, Christian Sasse und Stephan Trescher danke ich für ihr entgegenkommendes und oftmals spritzig wohlwollendes Engagement nicht nur auf der Jugend- und Behindertenbegegnungsstätte, sondern auch bei Arbeiten im Kloster. Es werden vier neue Zivis nachrücken und, vornehmlich für den Klosterbereich, ein Volontär.

Allein die äußeren Ereignisse und Veränderungen hier in Tabgha füllen schon viele Zeilen. Daß doch alles so geht, wie es geht, verdanken wir der GNADE JESU CHRISTI, der Sich als der AUFERSTANDENE einst hier am Ufer des Sees im gewöhnlichen Alltag von Fischern offenbarte.

P. Jeremias Marseille OSB