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21. Rundbrief - Januar 2002 Bericht zur Jugend- und Behinderten-Begegnungsstätte Tabgha
"Wie geht es Euch?" Diese Frage ist unseren Zivis, aber auch uns selbst in den letzten Monaten viele Male gestellt worden. Doch noch wichtiger ist wohl die Frage: Wie geht es den Menschen hier im Land, wie geht es unseren Gästen auf der Begegnungsstätte? "You know, the situation is not good..." = "Du weißt, die Situation ist nicht gut ...", lautet die typische Antwort auf die Frage, wie das Befinden sei. Ja, wir alle wissen, daß die Situation nicht gut ist; schon lange nicht gut ist. Manchmal fragen wir uns, wie die Menschen hier die Lasten und Sorgen überhaupt noch tragen können. Auf der einen Seite der starke Wunsch: "Wir möchten nur, daß endlich die Besatzung endet!", auf der anderen Seite: "Wir möchten, daß endlich der Terror aufhört!" Und beide Seiten klagen über ihre schlechten politischen Führer. Natürlich, der Alltag geht weiter, auch unter Kriegsbedingungen; aber mit jedem Toten in den Auseinandersetzungen wird ein Stück Hoffnung mehr begraben. Und da liegt nun dieses friedliche Tabgha am Nordwestufer des Sees Genesareth wie in einer anderen Welt. Kolibris und Eisvögel lassen sich beobachten, und unsere Zivis fangen Welse am Seeufer. Der See, mal blau, mal grün, mal undurchdringlich grau, lädt zum Verweilen ein, und wir sind dankbar, daß dieses kleine Paradies weiterhin allen Menschen offensteht. Auch wenn es in diesem Jahr starke Schwankungen in der Belegung gegeben hat, werden wir bis zum Jahresende doch über 7000 Übernachtungen erreicht haben. Dies dokumentiert sicherlich die gute Verankerung, die Tabgha in der israelischen und palästinensischen Gesellschaft besitzt. Als dieser Tage jüdische Familien ihr Chanukka-Fest hier feierten, sagten sie uns, sie seien so glücklich, daß es hier im Land noch diese Insel, dieses Refugium gäbe. Dasselbe sagen die arabischen Familien, denen man die permanente Anspannung ansieht. Aus der Westbank kamen in diesem Jahr leider keine Gruppen aus Sozialinstitutionen; nur vereinzelt fanden Palästinenser aus der Westbank den Weg zu uns. Jerusalemer Einrichtungen sind teilweise in die Belegungslücken eingesprungen, und im Vergleich zu den Vorjahren konnten wir auch jüdischen Einrichtungen mehr freie Termine anbieten. |