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21. Rundbrief - Januar 2002

Das 29. Theologische Studienjahr Jerusalem 2001/2002

Trotz der angespannten politischen Lage in Israel konnte Anfang August 2001 das 29. Studienjahr mit 19 evangelischen und katholischen Studentinnen und Studenten aus Deutschland und Österreich und den beiden Studienassistenten Christine Frauer und Stefan Meisert im Beit Josef beginnen. Zu ihnen kamen und kommen im Lauf des Studienjahres auch mehrere Gasthörer und -hörerinnen. Vielfältige, wertvolle Unterstützung erfährt das Studienjahr durch die Benediktiner, den Hausleiter Jürgen Holland und viele MitarbeiterInnen und Volontäre der Abtei.
Auch wenn die sich weiter verschlechternde politische Situation im Heiligen Land eine beständige Belastung darstellt, haben wir uns nach reiflicher Überlegung entschieden, im Lande zu bleiben und die Chance zu nutzen, in Israel in Auseinandersetzung mit den politischen Umständen Theologie zu studieren. In den ersten 5 Monaten konnten wir fast alle geplanten Exkursionen nahezu ohne Einschränkungen durchführen, besonders die große 12tägige Exkursion auf den Sinai und die 9tägige Exkursion in Galiläa.

Die Vorlesungen, Seminare und Exkursionen dieses Studienjahres stehen unter dem Leitwort:

"Gottes Wort und Gottes Welt. Monotheistischer Glaube in säkularen und religiösen Kontexten".

Zu der anspruchsvollen Herausforderung, vor der Juden, Christen und Muslime heute stehen, gehört das Phänomen der Säkularisierung. Nach biblischem Verständnis stehen sich Gott, Mensch und Welt gerade nicht in einem vorgegebenen Dualismus gegenüber: Alle Wirklichkeit existiert in einer geschöpflichen Beziehung zu ihrem Schöpfer. Die Freiheit und Würde des Menschen in der Schöpfung gehören mithin zu den Grunddaten des biblischen Gottes- und Menschenbildes: Die Größe und Freiheit des Menschen mindert die Größe und Souveränität des Schöpfers gerade nicht, sondern verweist im Gegenteil auf sie. Die Welt - und das verbindet Juden, Muslime und Christen zutiefst - ist Gottes Welt: von Ihm ins Leben gerufen, im Leben erhalten und zur Freiheit bestellt.
Der eine und einzige Gott - auch darin sind sich die monotheistischen Religionen einig - wendet Sich Seiner Schöpfung zu; Er 'spricht' zu ihr in Zeit und Raum; Er offenbart Sich ihr in der Schöpfung selbst und durch menschliche Boten und Mittler: Gottes Wort tritt in Gottes Welt. Gottes Zuwendung und die erwartete, aus Hören geborene Antwort der Menschen ist nicht nur in der Bibel, sondern auch im Koran die grundlegende Beziehungsfigur.
Ich hoffe zuversichtlich, daß die kommenden Monate bis zum Osterfest, an dem das Studienjahr ausklingt, für alle Studierenden eine intensive und friedliche Lern- und Lebenszeit sein werden.

Prof. Dr. Klaus Scholtissek, Studiendekan