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22. Rundbrief - September 2002
Hilfe für Beit Noah
- unser Haus für israelische und arabische Behinderte und Kriegsverletzte
in TABGHA am See Genesareth / Israel muß dringend erneuert werden
"Als Jesus die vielen Menschen sah, ward ihm weh um sie ..."
So übersetzt der frühere Bibelwissenschaftler aus Tübingen, Fridolin Stier, den Beginn des Berichtes von der Speisung der Fünftausend, den wir im Markus- und Matthäus-Evangelium vorfinden. Hier in Tabgha gedenken wir dieses Ereignisses aus dem Leben Jesu in seiner Begegnung mit den Menschen. "Als Jesus die vielen Menschen sah, ward ihm weh um sie..." - so könnte auch der Blick Jesu auf die heutige Situation im Land beschrieben werden.
Die einen leiden unter den unberechenbaren Terroranschlägen, die anderen unter der unterdrückenden Besatzung. Beide, Israelis und Palästinenser, fühlen sich verunsichert wie noch nie. Unterdessen dreht sich der blutige Reigen der Gewalt weiter.
In solchen Zeiten verlieren die Menschen, die eh schon am Rande der Gesellschaft stehen, noch mehr an notwendiger Aufmerksamkeit und Unterstützung; - ich meine die körperlich und geistig behinderten Menschen unter uns, die seit ihrer Geburt oder in Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen ein schweres Leben führen.
Nach Tabgha, dem Ort des Siebenquells, im Garten unseres Benediktinerklosters, kamen vor über zwanzig Jahren erstmals Kinder aus einem SOS-Kinderdorf in Betlehem im Rahmen eines recht improvisierten Aufenthalts. Die Kinder kehrten wie ausgewechselt aus Tabgha wieder nach Hause zurück. Das war der Beginn der Jugend- und Behinderten-Begegnungsstätte.
Im Rahmen der Grundsteinlegung zur 1982 vom Deutschen Verein vom Heiligen Land fertiggestellten neuen Brotvermehrungskirche wurde betont, daß die Erinnerung an die Brotvermehrung Zeichen und Aufruf zur Barmherzigkeit werden sollte.
Die Palästinenserin Frau Dr. Sumaya Farhat-Nasar - sie erhielt die Ehrendoktorwürde der theologischen Universität in Münster - schrieb über die Arbeit in Tabgha nach der ersten Intifada: "Ein kleiner Beitrag zur Verständigung war 1988 in Tabgha möglich geworden. Dort gab es ein Erholungszentrum für behinderte Kinder. Es gelang mir, mit dem Prior des Klosters und mit dem deutschen Leiterpaar ein Projekt für invalide und verwundete palästinensische Jugendliche zu verwirklichen, die an den Folgen von Schußverletzungen litten. Oft habe ich selber Gruppen von fünfzehn bis dreißig Verletzten aus Gaza, Jerusalem und Nablus nach Tabgha geschmuggelt. An diesem humanitären Einsatz beteiligten sich erstmals gemeinsam palästinensische und israelische Ärzte."
Mittlerweile kommen seit 22 Jahren regelmäßig körperlich und geistig behinderte Jugendliche und Erwachsene, Israelis und Palästinenser, Juden, Christen und Muslime ins sogenannte "Beit Noah" (Haus Noah), um in ihrem belasteten Lebensalltag Erholung zu finden an Körper, Geist und Seele. Sie bringen ihre Begleiter und Betreuer mit und wir stellen ihnen gratis die Unterkunft zur Verfügung an diesem in seiner Natur paradiesischen Fleckchen Erde. Für Palästinenser ist Tabgha überhaupt der einzige Ort im ganzen Land, wo sie zur Erholung hinfahren können. Der Satz Jesu kann einem hier leicht zur Erfahrung werden: " als er die vielen Menschen sah, ward ihm weh um sie..." Wir liegen hier im Norden Israels in einer militärpolitisch absolut ruhigen Lage "fern ab vom Schuß" - im wahrsten Sinne des Wortes - und sind dankbar, diese Weise der Gastfreundschaft als konkreten Beitrag zum Frieden leben zu können.
In diesem Jahr konnten einige Palästinenser wegen verhängter Ausgangssperre nicht zu uns kommen. Dafür waren vermehrt Behinderte aus arabischen Einrichtungen aus Jerusalem, sowie Behinderte aus israelischen Institutionen bei uns. Bis zum Jahresende werden wir über 6000 Übernachtungen erreichen.
Unser Beit Noah, das 1974 mit freiwilligen Helfern zum Haus für Behinderte umgebaute alte Stallgebäude, bedarf inzwischen einer derart gründlichen Renovierung, daß ein Neubau unumgänglich geworden ist. Dem jetzigen Haus fehlen Fundamente; der abschüssige Boden ist für Rollstuhlfahrer beschwerlich; es zeigen sich Risse in den Wänden; das Holz im Dachstuhl wird morsch; die sanitären Anlagen sind nicht behindertengerecht.
Nach bereits vollzogenen Probebohrungen, die notwendige Kenntnis über das Erdreich ergaben, und ausführlichen Verhandlungen mit örtlichen Architekten und Bauunternehmern, bis hin zur notwendigen staatlichen Genehmigung, sind wir im Grunde bereit, mit dem Abriss des alten Beit Noah zu beginnen. An derselben Stelle soll in ähnlichem schlichten Stil das neue Beit Noah entstehen, sobald genügend Spenden eingegangen sind. Trotz der anstehenden Bauarbeiten sollen die behinderten Gäste, die für ein Wochenende oder bis zu zwei Wochen bei uns sind, in etwas verringerter Zahl untergebracht werden, so daß die Arbeit "im Kleinen" weitergehen kann und nicht unterbrochen werden muß. Die Baufälligkeit des jetzigen Hauses drängt uns äußerlich zu diesem Schritt; und es drängt uns innerlich, gerade in der jetzigen hoffnungslosen Situation ein Zeichen der Hoffnung zu setzen. Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, das neue Beit Noah zu bauen! Hierzu brauchen wir Ihre finanzielle Unterstützung. Neben bereits eingegangenen Einzelspenden helfen uns der Deutsche Verein vom Heiligen Land, der Freundeskreis der Benediktiner und das Kindermissionswerk. Dennoch reichen die bereits gesammelten Gelder bei weitem nicht aus, zumal sich eine Eigenleistung durch unser Kloster bei der derzeitigen Situation im Land sehr in Grenzen hält und die hiesigen Baukosten hoch sind.
So bitte ich Sie herzlichst mit einer Spende den Neubau des Beit Noahs zu unterstützen und danke Ihnen bereits im voraus mit einem Segensgruß aus Tabgha am See Genesareth.
Im Gebet um den Frieden Gottes verbunden
P. Jeremias Marseille OSB
Superior des Benediktinerklosters Tabgha

Mittlerweile haben wir nach langem Ringen die Genehmigung der israelischen Behörden zur Erneuerung des Beit Noah erhalten. Es sind bisher rund 180.000.- EURO an Spenden und Fördermittel eingegangen; ein genauer Kostenvoranschlag für das neue Beit Noah wird in nächster Zeit erfolgen. Voraussichtlich wird der Neubau rund 375.000.- EURO kosten. Neben einem Bauingenieur und einem Bauunternehmer aus Nazareth hilft uns ein Schweizer Architekt aus Jerusalem, dem schlichten, für Behinderte angemessenen Neubau auch unter Nutzung ökologischer Ressourcen gerecht zu werden. Dies ist in Israel nicht sehr verbreitet und bringt die Baukosten zunächst in die angegebene Höhe. Auf längere Sicht werden wir davon profitieren. Erst wenn der Finanzrückhalt absehbar ist, werden wir beginnen.
In Deutschland haben wir zwei Kontoverbindungen:
Freundeskreis der Benediktiner
Liga-Bank München
BLZ 750 903 00
Kto. Nr. 40 218 5555
Stichwort: "Beit Noah"
Kath. Kirchengemeinde St. Barbara
Sparkasse Moers
BLZ 354 500 00
Kto. Nr. 315 322 405
Stichwort: "Israelprojekt"
Der Freundeskreis der Benediktiner (Anschrift: Jochen Borgmeier, Grassenberg 17, 59872 Meschede) und das Kath. Pfarramt St. Barbara (Bismarckstr. 104 ; 47443 Moers) verwalten für uns die Spenden, die ausschließlich dem Bau des Beit Noah zukommen,
kostenfrei, und stellen auf Anfrage Quittungen über Spenden für "caritative
Zwecke" aus.
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