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26. Rundbrief - Oktober 2004
Wort des Abtes
"Die Kirche erwacht in den Seelen der Gläubigen."
(Romano Guardini)
Liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinschaft
der Abtei Hagia Maria Sion, des Priorats Tabgha und der Vertretung in St.
Godehard/Hildesheim! Herzlich grüße ich Sie alle, die Sie auf
so vielfältige Weise Ihre Verbundenheit mit uns und Ihr Interesse
am Heiligen Land bekunden.
Vielleicht verwundert es, dass ich meinem Gruß an Sie das Zitat
von Romano Guardini voranstelle "Die Kirche erwacht in den Seelen
der Gläubigen." "Würde sie es mal!", werden einige
denken, denn es ist kein Geheimnis, dass die Kirche in dieser Zeit vielen
schwierigen Fragen, Problemen und Sorgen gegenübersteht. Auch im
Heiligen Land steht die Kirche vor großen Herausforderungen, die
zum Teil natürlich anders gelagert sind als in Deutschland.
Warum ich also dieses Zitat gewählt habe? Das Fest unserer benediktinischen
Gemeinschaft auf dem Zion und das Patronatsfest unserer Basilika, nämlich
das Hochfest der Entschlafung Mariens wurde mir in diesem Jahr besonders
als ein Sinnbild der Kirche bewusst. Zum einen lag der Grund in unserem
Festgottesdienst selbst: Bei der Priesterweihe unseres P. Johannes kam
durch die Sprachenvielfalt der Liturgie das pfingstliche Element der Kirche
Gottes zum Tragen: Ungarisch, Slowakisch, Deutsch, Englisch, Arabisch,
Latein
Das Lob Gottes ist spürbar in jeder Sprache und Kultur
und eint sie in den Seelen der Gläubigen, die sich zur Feier
der Eucharistie als kirchliche Gemeinschaft versammeln.
Versammelt haben sich so erzählt es die Tradition in ähnlicher
Weise die Apostel, als Maria, die wir als Mutter der Kirche verehren,
am Ort des Letzten Abendmahles sterben sollte. Aus allen Enden der Erde,
wohin die Apostel zu den Völkern und Sprachen aufgebrochen waren,
um das Evangelium Christi zu verkünden, kamen sie auf dem Zion zusammen,
um von der Mutter Jesu Abschied zu nehmen. Die Ikonographie zeigt uns
die Apostel versammelt und vereint um das Sterbebett Mariens.
Doch letztlich ist nicht sie selbst der Mittelpunkt des Bildes, sondern
Christus, der ihre Seele in seinen Armen hält. Maria ist wieder einmal
"nur Werkzeug", "niedrige Magd", wesentlich Hinweis
auf Christus, das Haupt der Kirche.
"Die Kirche erwacht in den Seelen der Gläubigen." Ist nicht
in diesem Sinn das Hochfest der Entschlafung Mariens ein Fest der einen
Kirche Gottes, das ökumenische Fest schlechthin?! Maria vereint
die Apostel, die die Kirche Jesu in alle Welt tragen. Einheit und Sendung
das ist das Leben der Kirche. Durch Marias stillen und unscheinbaren Dienst
erwacht die Kirche in den Seelen der Gläubigen. Wie das Ein-
und Ausatmen für das Leben des Leibes notwendig ist, so sind Einheit
und Sendung für den Leib der Kirche lebensnotwendig. Das Hochfest
der Entschlafung Mariens erinnert mich an den lebendigen Auftrag der Kirche,
Zeugin Christi, Zeugin der Einheit und der Liebe zu sein. Möge auf
die Fürsprache der Mutter der Kirche die Kirche in den Seelen der
Gläubigen zu neuem Leben erwachen, ermutigen, erfahrbar sein.
Möge auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria der Herr Sie
alle vom Zion her segnen!
Ihr
+ Benedikt M. Lindemann OSB
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