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27. Rundbrief - Ostern 2005
Nachrichten aus Tabgha - Bericht des Priors
"Die Frucht der Stille
ist der Friede."
Liebe Freunde und Freundinnen unserer benediktinischen Gemeinschaft,
liebe Leserinnen und Leser unseres Rundbriefes!
Zum Hochfest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus grüße
ich Sie alle und wünsche Ihnen von Herzen innere Freude und wahren
Frieden, der von Gott kommt. Der erste Gruß des Auferstandenen:
"Der Friede sei mit euch!" möge sich uns einsenken, wie
den Jüngerinnen und Jüngern damals. Der FRIEDE Gottes bleibt
der Auftrag des Menschen!
Es ist ermutigend zu sehen, dass wieder mehr Pilger ins Heilige Land kommen
und die christlichen Gästehäuser über Ostern ausgebucht
sind. So sind auch wir über Ostern eine große Gemeinde; Grund
zum Dank und zur Freude.
Der FRIEDE Gottes bleibt unser aller Auftrag! So schreibt Mutter Teresa
in ihrem Vermächtnis in einfachen und klaren Worten:
"Die Frucht der Stille ist das Gebet.
Die Frucht des Gebetes ist der Glaube.
Die Frucht des Glaubens ist die Liebe.
Die Frucht der Liebe ist das Dienen.
Die Frucht des Dienens ist der Friede."
Die Frucht der Stille
ist der Friede. Das ist ein Zeugnis reifer
Erfahrung.
Wer den Alltag unserer Gemeinschaft in Tabgha kennt, weiß, dass
die Stille, in der monastisches Leben und nicht zuletzt auch der Friede
Gottes gedeihen kann, oft zu kurz kommt. Ein gravierender Grund ist unser
derzeitiges Wohngebäude selbst, das in seiner Struktur keine Klausur
vorsieht. So gab es bereits zu Zeiten des Kirchenbaus 1980 bis 1982 Pläne
für ein an die Kirche angeschlossenes Kloster. Zur Umsetzung kam
es nicht. Die einen mögen sagen: "schade". Ich denke mir
heute: "zum Glück". Denn mit dem Bau der damals gedachten
Klosteranlage hätten wir heute sehr wahrscheinlich keine Begegnungsstätte,
die wir uns nicht mehr wegdenken können und wollen.
Die Frage nach einem geeigneten Gebäude für die Mönche
führte auch in den 90er Jahren zu Überlegungen und Bauentwürfen,
die aber nicht weiter verfolgt wurden. Die Notwendigkeit eines Klosters
wurde unserer Gemeinschaft in ihrer neuen Besetzung seit 2001 ebenso bald
bewußt. Doch wir wollten zunächst die Wohnsituation unserer
Gäste auf der Begegnungsstätte stabilisieren. Das konnte inzwischen
durch die große Hilfe vieler Spender geschehen. Nun öffnet
sich für unseren Bruder Samuel, Leiter der Begegnungsstätte,
mehr die Möglichkeit zur inhaltlichen Gestaltung seiner Arbeit.
Verbunden mit der Erlaubnis, das neue Beit Noah überhaupt bauen zu
dürfen, gab uns die örtliche Behörde im Frühjahr 2002
die Auflage einen Bebauungsplan, einen so genannten "Masterplan",
zu erstellen, damit die bereits bestehenden und für die Zukunft geplanten
Gebäude auf dem Gelände des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande
einen legalen Status erhalten. Denn bisher wurde nur für das neue
Pilgerhaus des Deutschen Vereins der Weg zur offiziellen Baugenehmigung
durchlaufen.
Einen solchen Masterplan zu erstellen ist eine spannende und herausfordernde
Angelegenheit, da er eine Orientierung zur Gestaltung vorgibt, die über
die nächsten Generationen hinaus maßgebend sein wird. Dieser
Masterplan ist unter der Führung der deutschen Architekten Prof.
Alois Peitz und Hubertus Hillinger im Dialog mit uns Mönchen und
dem Deutschen Verein vom Heiligen Lande im Laufe der letzten drei Jahre
entstanden. Nach der Bestätigung durch den Vorstand des Deutschen
Vereins vom Heiligen Lande unter dem Vorsitz seines Generalsekretärs
Herrn Heinz Thiel, dem ich für sein Entgegenkommen und Eintreten
für uns sehr danke, konnte ich am 13.02.2005 den Masterplan unter
Mithilfe eines arabischen Ingenieurs aus Nazareth dem Komitee der örtlichen
Verwaltung Emek Hayarden und seinem Vorsitzenden, Mr. Yossi Vardi, zur
Prüfung vorstellen. Diese Verwaltung ist zuständig für
die gesamte Region Untergaliläas, um den See Genesareth herum. Inzwischen
wurde der Masterplan von dieser Behörde anerkannt und wird in der
nächsten höheren Instanz in Nazareth erörtert.
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P. Jonas und Architekt Hubertus Hillinger prüfen
die Risse im Kloster (März 2005)
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Wer bei uns zu Besuch war, wird sofort erkannt haben, dass es zum Bau
eines Klosters nicht nur inhaltliche und konzeptionelle Gründe gibt,
sondern auch eine offensichtliche äußere Notwendigkeit. Das
in den 50er Jahren auf Sand gebaute Haus zeigte bereits vor 15 Jahren
Risse in den Wänden, die aber in den letzten Jahren zusehends und
rapide zugenommen haben. Die Ostwand senkt sich, so dass in all unseren
Zimmern 45 Grad Risse vorhanden sind. Hinzu kommt, dass das gesamte Haus
eine Neigung nach Süden in Richtung Atrium der Kirche nimmt. Die
größer werdenden Risse und herunterfallenden Kacheln von den
Wänden geben unter uns immer mal wieder Anlass zu Witzen und Späßen.
Doch mittlerweile werden wir zurückhaltender, da uns verschiedene
Architekten den Ernst der Lage bescheinigen. Fazit: Es gibt gar keine
Überlegung. Wenn wir in Tabgha bleiben wollen, müssen wir neu
bauen. Und zwar so bald wie möglich.
Verschiedene Aspekte, die zusammen kommen, lassen uns hoffen, dass die
Zeit bald reif dafür ist:
1. Für unsere Gäste und unser soziales Engagement ist mit der
Fertigstellung des Beit Noah und der Renovierung der gesamten Begegnungsstätte
gesorgt, so dass wir jetzt an unser eigenes Gebäude denken können.
2. Das monastische Leben am Ort der Brotvermehrung mit zunehmenden Pilgern
und Gästen braucht eine Klausur, um die "Treue im Wandel"
leben und den Ort für Pilger bereithalten zu können.
3. Die örtliche Behörde hatte uns aufgefordert einen Masterplan
zu erstellen.
4. Das jetzige Gebäude ist derart marode, dass wir handeln müssen.
5. Der Vorstand des Deutschen Vereins vom Heiligen Land hat der Planung
zugestimmt. Sein Präsident, Erzbischof Joachim Kardinal Meisner,
hat die Ausführungen des Masterplans unterzeichnet.
6. Der Patriarch von Jerusalem sowie der Bischofsvikar aus Nazareth begrüßen
sehr die Stabilisierung eines Benediktinerkonventes in Galiläa zur
Rückenstärkung der einheimischen Christen.
Liebe Freunde und Freundinnen, in diesem Rundbrief wollte ich Sie gerne
an dieser sehr konkreten Zukunftsperspektive von Tabgha teilhaben lassen.
In den Herausforderungen der letzten Jahre und ebenso in all dem Geschenkten
und Gefügten verspüren wir ein Vertrauen, dass wir als Gemeinschaft
auf dem richtigen Weg sind. Unser Ordensvater, der Hl. Benedikt, ermutigt
und ermahnt uns zur Suche nach Gott und zum Lob Gottes. Auf dem Hintergrund
seiner Regel, die er uns an die Hand gegeben hat, gilt es, als benediktinische
Gemeinschaft mit unseren Gästen im Geist des Gebetes und des Evangeliums
dem Leben Jesu Christi hier am Ufer des Sees Genesareth nachzuspüren
und so der Botschaft dieses Ortes zu dienen.
Für Ihre Hilfe und Solidarität auf diesem Weg danke ich jedem
und jeder einzelnen von Ihnen mit einem herzlichen Segensgruß aus
Tabgha.
Das Vermächtnis Mutter Teresas kann uns zur Richtschnur werden:
Stille führt zum Gebet,
Gebet zum Glauben,
Glauben zur Liebe,
Liebe zum Dienen
und Dienen zum FRIEDEN.
Tabgha, den 7. März 2005
P. Jeremias Marseille OSB
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