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28. Rundbrief - Oktober 2005

Aus dem Leben der Begegnungsstätte

Mit kühleren Temperaturen kündigt sich langsam der Herbst in Tabgha an. Während bei Ihnen zu Hause bereits das bunte Herbstlaub von den Bäumen gefallen ist, blicke ich zurück auf viele bunter Erinnerungen auf unserer Begegnungsstätte: Gerne will ich ein paar "Herbstblätter" an Sie weitergeben und erzählen, was sich seit Ostern bei uns alles getan hat:

Den Wunsch nach einem befestigten Untergrund für unsere Zelte konnten wir dank der großzügigen Unterstützung der Deutschen Botschaft für zwei Plätze realisieren. Behindertengruppen mit Rollstuhlfahrern haben immer wieder bemängelt, dass es bei den vorhandenen Kiesflächen unmöglich sei, mit dem "Rolly" das Bett zu erreichen. Ein neuer Untergrund musste geschaffen werden, sowie die maroden Stromkabel für die vorhandene Beleuchtung erneuert werden. Ein bunter Steinbelag in verschiedenen Farben gibt dem Gelände zwischen dem Toilettenhaus und Beit Benedikt nun ein neues Aussehen, und wird in Zukunft im praktischen Alltag vielen Gruppen eine große Hilfe sein.
Auch im Namen von P. Jeremias möchte ich der Deutschen Botschaft, vertreten durch Botschafter Rudolf Dreßler und Uwe Meerkötter, noch mal unseren großen Dank aussprechen, dass wir mit ihrer Hilfe diese Maßnahme verwirklichen konnten.

Im Juli konnten wir wieder eine Gruppe vom House of Light bei uns begrüßen! Ein verlängertes "Familienwochenende" wurde speziell für arabische Problemfamilien gestaltet. Unter dem Motto "Jesus is the way", gestalteten sie die inhaltlichen Tage bei uns in Tabgha. An einem Nachmittag bauten sie kleine Boote, auf dessen Segel das Motto gestaltet wurde. Anschließend wurden die kleinen Boote in unserem Pool zu Wasser gelassen….

Oben: Die neuen, befestigten Zeltplätze. Familienwochenende "Jesus is the way".
Unten: Musizieren mit der Gruppe aus Ein Kerem. Vertrauensübung.

Ein deutsch-arabischer Jugendaustausch unter der Leitung von Björn Thedering aus Bakum konnte bei uns im August in Tabgha stattfinden. Ursprünglich war diese Begegnung auch mit Israelis geplant, die leider kurzfristig abgesagt haben. Unser Foto zeigt einen Teil der Gruppe bei einer Vertrauensübung im Garten: Balancieren auf einem Seil, was zwischen zwei Bäume gespannt wurde, die Gruppenteilnehmer sind für den guten Halt des Einzelnen verantwortlich. Jeder ist für das Wohl des anderen mitverantwortlich….

Eine Gruppe aus St. Vinzenz in Ain Kerem konnten wir im Juli empfangen. Die Kinder verbrachten mit ihren Betreuern schöne Tage. An einem Vormittag musizierten wir gemeinsam unter der Pergola von Beit Noah.
Unsere beiden Zivis, Martin Stallkamp und Andreas Hartl, verabschiedeten wir im Juli und August.
Für alle Bemühungen, die Begegnungsstätte lebendig mitzugestalten, uns bei unserer Arbeit tatkräftig zu unterstützen und für die wertvolle gemeinsame Zeit danke ich nochmals herzlich. Unsere Zivildienstleistenden sind ein wichtiger Stein in unserem Lebens-Mosaik. Wir sind nicht nur auf sie angewiesen, sondern freuen uns vor allem über ihre enorme Teilhabe und ihr Interesse an unserem Leben.

Eine bleibende Erinnerung an Martin und Andreas hängt im Beit Noah: In der Überlegung nach einer ansprechenden Raumgestaltung im Saal von Beit Noah kam mir gemeinsam mit Günter und Judith Zenner die Idee, ein Mobile an die Decke zu hängen. Die Ausgangsidee lieferte uns ein Bild des jüdischen Künstlers Caldere, die Umsetzung des Projekts lag in den Händen unserer Zivis. So hängt nun ein Mobile im Saal, was jeden Gast im Beit Noah an das Wunder von Tabgha erinnert, wenn es vom Windzug der Klimaanlage in Bewegung gehalten wird: Fünf Brote und zwei Fische!

Oben links: Mobile im Beit Noah. Rechts: Das neue Team der Begegnungsstätte: Marianne Weber, Sebastian, Br. Samuel, Christoph, Gregor. Unten links: Der Store im Beit Benedikt.

Ab August trafen dann nach und nach auch unsere drei neuen Zivildienstleistenden ein: Sebastian  ist für den Empfang von Gruppen auf dem Zeltplatz, sowie dem dazugehörigen Beit Benedikt und den großen Bereich der Hausmeisterei und der Werkstatt verantwortlich. Gregor hat sein Augenmerk auf Beit Noah und dem Store inklusive des dazugehörenden Einkaufs. Christoph ist verantwortlich für den Garten und bringt somit Br. Franziskus die notwendige Entlastung.

Froh und dankbar bin ich über die Ankunft von Marianne Weber. Die Gemeindeassistentin aus der Diözese Freiburg ist seit 1. September meine Stellvertreterin. Frau Weber wird mich nicht nur im alltäglichen Betrieb der Begegnungsstätte entlasten, sondern mir auch in Aufgaben der Verwaltung und der Organisation helfen, damit ich in Zukunft mehr Zeit finde für inhaltliche Aufgaben, die wir im Team gemeinsam bearbeiten.

Ein Kostümfest konnten wir im Saal von Beit Noah mit unseren Gästen aus der Einrichtung St. Vinzenz in Jerusalem feiern. Behinderte, Volontäre, Zivis, Workcamper, Brüder und Schwestern - alles bewegte sich auf dem "Tanzparkett" von Beit Noah.

Kostümball in Beit Noah.

Vom 12. September bis 15. September fuhr ich gemeinsam mit den Zivis und unserem "Offroad-Jumpy" in den Negev. Wir verbrachten ein-drucksvolle Tage. Auf der Hinfahrt besuchten wir zuerst Sœur Rita und die Behindertengruppe in St. Vinzenz in Jerusalem und haben so einen Eindruck von ihrem einfachen Zuhause bekommen. Anschließend besichtigten wir auf der Fahrt nach Eilat den Maktesch-Ramon (Krater) in der Nähe von Beer-Sheva und erreichten nach einem Nachmittagsmahl in der Wüste per Gaskocher und Spaghetti Eilat, wo wir in das "Nachtleben" von Eilat bei Pizza und frischem Bier eintauchten.

Ausflug mit den Zivis in den Negev und zum Roten Meer.

Der zweite Tag führte uns mittels Schnorcheln und Taucherbrillen in die faszinierende Unterwasserwelt des Roten Meeres. Am Mittwoch fuhren wir weiter nach Massada zum Toten Meer und übernachteten dort in einer Jugendherberge. Um 5.00 Uhr ging es auf dem Schlangenpfad hinauf zu Festung Massada, wo wir einen eindrucksvollen Sonnenaufgang erlebten. Nach dem verdienten Frühstück fuhren wir mittags durch den Jordangraben zurück in Richtung See Genesareth, wo wir in Tiberias mit Marianne Weber unseren Ausflug mit einem gemeinsamen, guten Essen ausklingen ließen, bis wir schließlich wieder wohlbehütet in Tabgha ankamen.

Ein Sorgenkind, das mich seit längerer Zeit beschäftigt, ist unser kleiner Store, in dem wir Lebensmittel an die Gruppen auf dem Platz und in der Begegnungsstätte verkaufen. Die bestehende dreifache Kühlschrankanlage mit Eisschrank gibt nun nach 20 Jahren Dienst langsam ihren Geist auf. Leider ist dieses Problem umso dringender geworden, weil die laufenden Energiekosten durch die defekten Kühlagregate sehr gestiegen sind. Da das vorhandene Schwitz- und Tauwasser ebenfalls nicht mehr ablaufen kann, sind die Isolierschichten der Kühlschränke vollkommen durchnässt. Dieses Problem macht es vor allem schwierig, die Hygiene im Kühlschrank zu halten. - Wir planen deshalb eine Renovierung des Stores in den kommenden Wintermonaten, um diese Missstände zu beheben.

Liebe Leserinnen und Leser, mit diesen "Herbstblättern" haben Sie einen kleinen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten des Lebens unserer Begegnungsstätte. Diese lebendige Vielfalt erinnert mich immer wieder an Noah und seine Arche. Die von Gott geschenkte Vielfalt hat in unseren bewegten Lebensmeeren eine Insel gefunden. Gottes Bund mit den Menschen, angedeutet in dem Zeichen des Regenbogens, ermöglicht uns immer wieder ein Aufeinander-zu-Gehen und ein Miteinander. Das war auch der Grund für mich, das bisher fehlende Logo auf dem Briefkopf der Begegnungsstätte dieses Jahr zu ergänzen. Es umrahmt den Anfang dieses Berichtes! Ich denke, dass diese Radierung, die unser P. Basilius ursprünglich entworfen hat, ein Volltreffer für unsere Begegnungsstätte ist. Die Taube, die uns zum Frieden mahnt…. Und: Alle unsere Begegnungen geschehen unter dem Zeichen des Kreuzes und Seiner Auferstehung!

Im Namen unseres Teams sende ich Ihnen allen einen herzlichen Segensgruß aus Tabgha! Für alle Hilfe, die Sie uns in der vergangenen Zeit erwiesen haben und auf die wir künftig hoffen, danken wir Ihnen herzlich, ganz besonders im Namen der Behinderten und Jugendlichen, denen Ihre Unterstützung zu Gute kommt!

Br. Samuel
Leiter der Begegnungsstätte