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28. Rundbrief - Oktober 2005

Chronik unserer Gemeinschaft

März 2005

Zum Ende des 31. Studienjahres haben Studierende und Mönche auf dem Zion am 18. März einen Abschlussgottesdienst gefeiert. Zwei Tage später brach Br. Nikodemus nach Deutschland auf. Nachdem er in Hildesheim bei unseren Brüdern die Kar- und Ostertage verbrachte, hat er in Münster bei Prof. Dr. Hubertus Lutterbach sein Promotionsstudium aufgenommen.

Zu den verschiedenen christlichen Osterfeiern, d.h. vom westlichen Osterfest am 27. März bis zum orthodoxen Termin am 1. Mai, waren so viele Pilger im Heiligen Land und besonders in Jerusalem unterwegs, wie schon lange nicht mehr. Unsere Mann- bzw. Frauschaften in den Klosterläden in Tabgha und Jerusalem hatten endlich wieder alle Hände voll zu tun, und auch unseren Küstern fiel die Vorbereitung der Kirche für die großen Gottesdienste Gottesdienste bei laufendem Pilgerstrom nicht immer leicht. Mit Studierenden, Hausgästen und vielen Osterpilgern durften wir auf dem Zion und am See Genesareth die liturgischen Feiern der Heiligen Woche begehen. Als besonderen Gast durften wir in Jerusalem den aus dem Sauerland stammenden Erzbischof Paul Josef Cordes begrüßen, der als Präsident den Päpstlichen Rat "Cor Unum" leitet, eine Vatikan-Behörde, die die Entwicklungsmaßnahmen und die humanitäre Hilfe des Heiligen Vaters, z.B. im Falle des Tsunamis in Südostasien, koordiniert.

Zwei Impressionen der Osternacht auf dem Zion.


Vom 29. März bis zum 7. April war Abt Benedikt in Deutschland, um an der Tagung der Salzburger Äbtekonferenz in Freising und der Mitgliederversammlung unseres Freundeskreises in München teilzunehmen. - Den Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn OP durften wir zu einer Pilgermesse am "Österreicher Altar" in der Krypta der Dormitio-Basilika am 31. März begrüßen.

April 2005

Am Freitag der Osteroktav, 1. April, brachen die Jerusalemer Brüder zur traditionellen Galiläafahrt auf, um mit der Gemeinschaft in Tabgha am See das Fest der Auferstehung zu feiern. Zu diesem Tag gehört es schon fast ebenso traditionsgetreu, dass am Nachmittag die Brüder und Schwestern des Doppelklosters von Abu Gosh mit Abt-Bischof Jean-Baptiste Gourion OSB zum gemeinsamen Kaffeetrinken und zur Vesper nach Tabgha kommen. Auch Bischof Heinrich Mussinghoff (Aachen) verstärkte zum zweiten Mal mit einer Gruppe von Ordensfrauen seiner Diözese die Reihen dieses monastischen Osterfestes, nachdem er im vergangenen Jahr schon einmal mit Bischof Reinhard Lettmann und kontemplativen Schwestern in der Osterwoche in Tabgha gewesen war.

Mit jungen Priestern und Theologiestudenten war der Münchner Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter, im Heiligen Land unterwegs; am Sonntag der Osteroktav (3. April) feierten sie in der Krypta auf dem Zion den Sonntagsgottesdienst. Im Rahmen des Konventamtes am gleichen Tag firmte P. Elias Stephanie Lindner, die von Schwester Bernadette in den Monaten zuvor auf diesen Schritt vorbereitet worden war.

Nachdem unsere Hildesheimer Brüder mit den Schwestern von Marienrode am 10. Februar bereits das Fest der heiligen Scholastika gefeiert hatten, luden sie in der Woche nach Ostern die Schwestern und ihren Spiritual P. Burkhard OSB zum "nachgeholten" Benediktsfest ein, das durch die Karwoche von seinem eigentlichen Termin am 21. März verschoben werden musste. Und so war die Kaffeerunde am 4. April vom Teilen der Osterfreude in benediktinischer Geschwisterlichkeit geprägt.
Marianische Gesänge der Choraltradition und Marienlieder späterer Zeiten standen im Mittelpunkt zweier Konzerte unter dem Titel "Ave Maria", zu denen Br. Ralph (Orgel & Schola), die Sopranistin Wiltrud Weber sowie Br. Josef, Stefan Trescher und Florian Giersch (Schola) am 7. April in der Brotvermehrungskirche und am 9. April in der Abteikirche eingeladen hatten.

Nach dem Tod Johannes Pauls II. am Abend des 2. April läuteten wir auf dem Zion und am See Genesareth die Glocken, um mit den Menschen im Heiligen Land um den Heiligen Vater zu trauern. Nicht nur den einheimischen Christen, sondern auch Muslimen und v.a. Juden ist Johannes Paul II. durch seinen Heilig-Land-Besuch im März 2000 noch in lebhafter Erinnerung, wie uns Beileidsnachrichten jüdischer Freunde und Bekannter gezeigt haben. Auf dem Zion haben wir in einem Requiem am 8. April des verstorbenen Papstes gedacht und für sein Wirken gedankt. Die folgenden Tage der Beisetzungsfeierlichkeiten und des Konklave haben wir nicht nur im Gebet begleitet, sondern auch immer wieder in den Fernsehübertragungen verfolgt, so auch die Abendstunden des 19. April, als uns während des Abendessens schon die Glocken der Patriarchatskirche auf die Entscheidung aufmerksam machten. In den folgenden Tagen erreichten uns wieder Glückwunsche aus Stadt und Land, weil nun ein Deutscher Papst sei und der auch noch den Namen unseres Ordensvaters Benedikt angenommen habe. Zur Amtseinführung Papst Benedikts reisten Abt Benedikt und P. Basilius nach Rom. Dass sie beim feierlichen Einführungsgottesdienst am 24. April auf dem Petersplatz unter anderen einer Hildesheimer Gruppe und auch ehemaligen Studierenden aus Beit Josef begegneten, war angesichts der viele angereisten Pilger kaum verwunderlich. Am Vormittag des folgenden Tages konnte Abt Benedikt im Anschluss an die Audienz für die deutschen Pilger dem Heiligen Vater persönlich die Glück- und Segenswünsche unserer Gemeinschaft übermitteln: "Wie schön, der Zion kommt auch zu mir!" begrüßte ihn Papst Benedikt XVI. Nachmittags nahmen unsere Jerusalemer Rom-Pilger am Gottesdienst mit dem Papst in der Patriarchalbasilika St. Paul vor den Mauern teil, wo sich ein inzwischen internationaler Benediktinerkonvent mit seinem neuen Abt Edmund Power am Grab des Völkerapostels Paulus der ökumenischen Arbeit widmet.

Abt Benedikt begegnet Papst Benedikt XVI.

Etliche unserer Studierenden des letzten Kurses haben nach dem Ende des Studienjahres die Gelegenheit genutzt, sich als Volontärinnen und Volontäre noch länger im Heiligen Land aufhalten und umsehen zu können. In der Abtei selbst haben so Florian Giersch im Bereich der Hausmeisterei und Simon Neubert in der Bibliothek noch einige Wochen mit uns gelebt, gebetet und gearbeitet.

Mai 2005

Antonius der Große, Wüstenvater und eine der Vatergestalten des christlichen Mönchtums, ist der neue Namenspatron von Albert Schmaltz, der am 1. Mai auf dem Zion sein Noviziat begonnen hat. Br. Antonius arbeitet einige Stunden im Klosterladen und führt zusammen mit P. Paulus die Sakristei, wo er sich insbesondere um den Blumenschmuck der Kirche kümmert.

Gruppenfoto nach der Noviziatsaufnahme von Br. Antonius am 1. Mai (v.l.n.r.):
P. Vincent, Br. Franziskus, P. Prior Cornelius, P. Basilius, P. Bernhard Maria, Abt Benedikt, P. Hieronymus, Josef Koller, Br. Antonius, P. Elias, Br. Josef und Br. Jürgen.

Eine gemeinsame Solidaritäts- und Dialogreise führte Mitglieder der Kommissionen "Justitia et Pax" und "Schule und Erziehung" (Kommission VII der Deutschen Bischofskonferenz) vom 2. bis zum 8. Mai nach Israel und Palästina, wovon sie vom 2. bis 5. Mai in Beit Josef auf dem Zion zu Gast waren. Die vierzehnköpfige Gruppe - unter ihnen die Weihbischöfe Norbert Werbs (Hamburg/Schwerin) und Engelbert Siebler (München) - traf auf beiden Seiten der Trennmauer Persönlichkeiten und besuchte verschiedene christliche Institutionen, besonders Schulen.

Br. Thomas, unser Chef im "Haus Jerusalem", feierte an Christi Himmelfahrt (5. Mai) in Trier seinen 70. Geburtstag: Im Kreise von Verwandten und Freunden, ehemaligen Pfarrkindern und Mönchen (P. Gregor, Abt Benedikt und Br. Ralph) durfte er mit Menschen aus verschiedenen Zeiten seiner vielfachen Wirkungsbereiche Dank sagen für viele Begegnungen und Erfahrungen. Auch weiterhin: Ad multos annos!

Abt Benedikt reiste von der Mosel in seine Sauerländer Heimat, wo er in seiner ehemaligen Abtei Königsmünster in Meschede mit dem Sauerländer Schützenbund zusammentraf: Bundesoberst Klaus Rappold, sein Stellvertreter Karl Jansen, Bundesschatzmeister Norbert Speckemeier und Vertreter des Mendener Bürger-Schützen-Vereins von 1604 überreichten unserem Abt (selbst Mitglied des Schützenvereins von Welschen-Ennest), einen "schweren" Scheck zur Unterstützung unserer Arbeit hier im Heiligen Land. Den Sauerländer Schützen sei stellvertretend für all jene gedankt, die uns auf so vielfältige Weise unterstützen und tragen!

Auch in diesem Jahr hat unser Freundeskreis unter der Leitung von Resi Borgmeier, Georg Röwekamp und Ludger Bornemann eine Reise ins Heilige veranstaltet (13. bis 25. Mai), deren Schwerpunkt zwar die Wüste war, die aber mit dem Pfingstwochenende in Jerusalem begann, um mit dem Kirchweihfest in Tabgha einen schönen Abschluss zu finden. - Den Pfingstgottesdienst (15. Mai) haben wir mit vielen einheimischen Christen und Pilgern mit unserem Patriarchen Michel Sabbah gefeiert, der in diesem Rahmen fünf palästinensischen Jugendlichen die Firmung spendete. In seiner Predigt hob der Patriarch die Spannung hervor, die sich aus dem Geschenk, an den Orten der Auferstehung und der Geistausgießung leben zu dürfen, und aus dem anhaltenden Konflikt an eben diesen Orten ergebe: "Wir sind hier zwei Völker und unsere Bevölkerung verteilt sich auf drei Religionen. Wir sind aufgerufen Gott hier in unserem Land eine Wohnung zu bereiten." In diesem Geist rief er die internationale Gottesdienstgemeinde auf, für alle Bewohner des Heiligen Landes zu beten, für Juden, Christen und Muslime, dass Gott ihnen helfe, Seine Wohnung unter den Menschen zu errichten.

Pfingsten auf dem Zion: Patriarch Michel Sabbah mit Schwestern von der Gemeinschaft der Seligpreisungen. - Der "Patriarch von Tabgha", P. Hieronymus. - Eine junge Gottesdienstbesucherin. - Abt Benedikt im Gespräch.

Am 17. Mai trafen Abt Benedikt und P. Prior Cornelius in der Abtei mit dem FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff zu einem Gespräch über die Situation der Christen und christlichen Institutionen im Heiligen Land zusammen. Graf Lambsdorff war aus Anlass des 20jährigen Jubiläums des Engagements der Friedrich-Naumann-Stiftung im Nahen Osten zu einer mehrtägigen Gesprächs- und Informationsreise in Israel und Palästina unterwegs.

Nachdem im vergangenen Jahr das Kirchweih-Fest von Tabgha am 23. Mai zugleich als Tag der feierlichen Einweihung von Beit Noah eine Festlichkeit größeren Maßstabs war, haben wir in diesem Jahr den Tag als ein "Familien-Fest" gefeiert: Neben der Gemeinschaft von Tabgha mit ihren Zivis, Volontären, Mitarbeitern… waren die Gruppe der Freundeskreis-Reise "…er hat unter uns gezeltet", die Brüder aus Jerusalem mit ihren Mitarbeitern und eine ganze Reihe von weiteren Freundinnen und Freunden unserer Gemeinschaft zum Festgottesdienst und dem anschließenden Grillen im Garten an den See Genesareth gekommen.

Kirchweih-Fest in Tabgha:
P. Elias, Gertrud Selb und P. Vincent. Br. Josef. P. Bernhard-Maria.

P. Paulus kehrte am 31. Mai aus Amerika zurück, wo er neben seinem Englisch-Sprachkurs in Newark Abbey auch Zeit fand, um der "Dormitio-Tochter" Weston Priory (Vermont) einen Besuch abzustatten und den Brüdern unsere Grüße aus Jerusalem zu übermitteln. Wir hoffen, einige der Weston-Mönche im kommenden Jahr zu unserem 100. Geburtstag auf dem Zion begrüßen zu dürfen!

Juni 2005

Vom 16. bis zum 19. Juni kamen Dr. Peter Geipel, Dr. Markus Krall und Robert Lenfers nach Jerusalem, um sich mit Abt Benedikt und P. Prior Cornelius zu einer Sitzung des Kuratoriums der "Stiftung Hagia Maria Sion" am 18. Juni zu treffen. Erweitert wurde diese Runde durch das Ehe-paar Jim und Helene Pahanik, das P. Johannes im vergangenen Jahr während seines Studiums in Amerika kennen gelernt hat und das sich in den USA für unsere Friedensarbeit und die Finanzierung der "Friedensakademie Beit Benedikt" engagieren möchte.

Lebhaftes Interesse und auch finanzielle Unterstützung erfuhr unsere Friedensarbeit durch ein Benefizkonzert in der Godehardsbasilika in Hildesheim mit Br. Ralph (Orgel), Dr. Bernd Neulinger, Bernd Müller, Johannes Kringel (alle drei Trompete) und Maren Rose (Blockflöte). Obwohl zur gleichen Stunde an diesem Freitagabend (17. Juni) auch das Schützenfest eröffnet wurde, waren viele Besucher unserer Einladung gefolgt.

Unsere äthiopischen Schwestern und Brüder in Jerusalem durften wir am 19. Juni in unserer Basilika auf dem Zion begrüßen, wo sie wie in den vergangenen Jahren das äthiopische Pfingstfest mit einem farbenfrohen und feierlichen Gottesdienst begingen. Am Tag darauf wurde die bisherige Leiterin der Schmidtschule, Sr. Bosco Lee, verabschiedet. Inzwischen hat Nikolaus Kircher, der u.a. in der Deutschen Schule der Borromäerinnen in Kairo schon Orienterfahrungen hat sammeln können, die Leitung der Schmidtschule übernommen.

Am 23. Juni, am Vigiltag des Festes seines Namenspatrones, verstarb nach schwerer Krankheit Abt-Bischof Jean-Baptiste Gourion OSB. Der Mitgründer und erste Abt der Abbaye Sainte-Marie de la Résurrection in Abu Gosh war als Weihbischof für die hebräischsprachigen Christen des Lateinischen Patriarchates Jerusalem zuständig. Die Doppelgemeinschaft von Brüdern und Schwestern von Abu Gosh ist im jüdisch-christlichen Dialog stark engagiert. Mit viele Juden und Christen aus dem ganzen Heiligen Land kam auch unsere Gemeinschaft von Tabgha und Jerusalem am 28. Juni in Abu Gosh zusammen, um Abt Jean-Baptiste zu Grabe zu tragen. Möge ihn sein bischöflicher Wahlspruch "In Jerusalem findet ihr Trost!" in das himmlische Jerusalem begleiten.

Juli 2005

Am 6. Juli wurde per Konventsbeschluss ein Oblateninstitut unserer Abtei gegründet. Damit haben Männer und Frauen, die mitten in der Welt im Geist der Benediktusregel leben wollen, die Möglichkeit sich als Oblate bzw. als Oblatin unserer Gemeinschaft anzuschließen. Als Rektor wird P. Bernhard Maria die Oblaten begleiten.

Da wegen der Karwoche unser eigentliches Benediktsfest (21. März) verschoben werden musste, haben wir in Jerusalem den 11. Juli, den Gedenktag unseres Ordensvaters als Patron Europas, in größerem Rahmen gefeiert: Zu diesem Tag konnten wir eine ganze Reihe von franziskanischen Brüdern auf dem Zion begrüßen, bei denen wir Benediktiner insbesondere in der Grabeskirche in den vergangenen Jahren immer wieder zu Gast waren. So wachsen die persönlichen Verbindungen zwischen einzelnen Brüdern und auch die offiziellen zwischen den Ordensgemeinschaften und -häusern von gemeinsam gefeiertem Fest zu Fest.

Aus dem Leben im "Haus Jerusalem"
Besuch der Brüder bei den Schwestern in Marienrode. Abt Benedikt in der romanischen Sakristei der Godehards-Basilika. Br. Ralph und Charlotte Kovac.
Alle Fotos: P. Johannes Oravecz OSB

Besonders feierlich haben unsere Hildesheimer Brüder das Benediktsfest gestaltet: Unter der Überschrift "Heiliger Benedikt - Patron Europas" luden sie am Sonntag, 17. Juli, zu einem Pontifikalamt mit Abt Benedikt ein und unterstrichen im Text ihrer Einladungsschreiben kurz nach der Ablehnung des EU-Verfassungs-Vertrages durch die Referenden in Frankreich und in den Niederlanden, dass eine solche vermeintliche Krise keineswegs das Ende sein müsse, sondern vielmehr eine Chance zum Weiterdenken bedeute. - So hatten die Söhne des Heiligen Benedikt am Hildesheimer Lappenberg, deren Vorväter und -brüder einst in ganz Europa durch ihre Klöster enorme Kultur- und Wirtschaftsleistungen vollbrachten, konsequenterweise an der altehrwürdigen Godehardsbasilika neben den Kirchenfahnen auch die blaue Fahne mit den goldenen Sternen hissen lassen. - Besonders freut es uns, dass unser gutes Verhältnis zu den Rittern vom Heiligen Grab bei solchen Feiern immer wieder zum Ausdruck kommt, wenn die Ritter und Damen in ihrer Ordenstracht an den Festgottesdiensten teilnehmen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Christen im Heiligen Land in vielfältiger und inzwischen unverzichtbarer Weise zur Seite zu stehen, z.B. durch finanzielle Unterstützung von Schulen, Krankenhäusern und Altenheimen.

"Unter den drei Türmen", sagen die "Godehardianer" mit Stolz auf Abtei- und Gemeindegeschichte.
Foto: P. Johannes Oravecz OSB

Viele Hildesheimer und "Um-Hildesheimer" waren der Einladung zum Pontifikalamt, zur Begegnung und zum Mittagessen auf dem großen Gelände der ehemaligen Abtei St. Godehard, zur Vesper und dann am späteren Abend zu einem Liederabend gefolgt: Zwar war es nicht die "Reise nach Jerusalem", wie man sie von Kindergeburtstagen kennt, dennoch wären beinahe zu wenige Stühle im Bischof-Bernhard-Haus gewesen für die Freunde hebräischer und jiddischer Lieder, die zwei Sauerländer Heilig-Land-Bürger darboten: Die Sängerin Charlotte Kovac, die aus dem Sauerland kommend mit ihrem israelischen Ehemann und ihrer Familie in der Nähe von Tel Aviv lebt, wurde am Klavier von unserem Br. Ralph begleitet. Am folgenden Freitag (22. Juli) haben die beiden in Sundern diesen Liederabend noch einmal wiederholt.

Impressionen vom Benediktsfest in und um die Godehards-Basilika.
Alle Fotos: P. Johannes Oravecz OSB

Während Abt Benedikt nach diesem gelungenen Fest in Hildesheim unseren Patriarchen Michael Sabbah während des traditionellen Libori-Festes in Paderborn begleitete (22. bis 25. Juli), um danach seinen Urlaub anzutreten, haben sich die Zimmer in der Abtei in Jerusalem wieder gefüllt: Am 18. Juli kam Br. Nikodemus aus Münster für einige Wochen zurück; am 20. Juli konnten wir P. Johannes wieder auf dem Zion begrüßen, der nach seinem Amerika-Studium noch einige Tage in seiner slowakischen Heimat und bei den Brüdern in Hildesheim verbracht hatte. Nachdem am 25. Juli auch Br. Ralph nach einem mehrmonatigen Studienaufenthalt aus Deutschland zurückgekehrt war, lohnte es sich wieder einmal, den Konventsgrill auf unserer Dachterrasse zu heizen. Alleine das gekühlte Fass Bier fehlte…

Pünktlich vor dem Weltjugendtag beendete unser Zivi Josef Schützeichel in Jerusalem seinen Dienst, den er seit der Rückkehr von P. Paulus v.a. im Garten wahrgenommen hatte. Er reiste am 29. Juli ab, sein Nachfolger, Sebastian Gößling aus Friesoythe, kam am 31. Juli an.

August 2005

Mit dem beginnenden August wandelte sich auch das Gesicht von Beit Josef wieder: Waren in den Monatenzuvor viele einzelne Gäste, aber auch Gruppen die Bewohner gewesen, so kündigte sich mit der Ankunft der neuen Studienassistentin Helga Nießen am 1. August ein neues Studienjahr an. Mit ihr zusammen traf Juliane Funkel ein, die bis Anfang Oktober als Volontärin in der Abteibibliothek arbeitet.

Wie schon die Osterfeiertage so war auch unser Patronatsfest Mariä Himmelfahrt ein Indikator dafür, dass sich zumindest an einer gewissen Oberfläche im Heiligen Land einiges normalisiert: Zum Pontifikalamt konnten wir viele einheimische Christen, aber auch ausländische Pilger, v.a. aus Frankreich begrüßen und haben mit ihnen in der bis auf den letzten Platz besetzten Basilika das "Ostern der Gottesmutter" (s. Festpredigt von P. Bernhard Maria in diesem Rundbrief) gefeiert.

Eine Woche später hat dann das 32. Studienjahr begonnen: 19 Studierende aus Deutschland, Österreich, aus der Schweiz und der Slowakei werden sich acht Monate unter der Überschrift "Figuren der Offenbarung. Gotteserfahrung in den drei abrahamitischen Religionen und ihre theologische Reflexion" mit dem Heiligen Land in seinen vielen Schichten und Ebenen auseinandersetzen. Begleitet werden sie dabei von Studiendekan Dr. Joachim Negel, Studienassistentin Helga Nießen, P. Paulus als Studienpräfekt und Sylvia Höß im Sekretariat. Die ersten Wochen waren in bewährter Weise geprägt durch das wechselseitige Kennenlernen, das Kennenlernen der Mönche und des Klosters, des Zions und der Stadt Jerusalem und der Vorbereitung der Sinai-Exkursion (ab 22. September). Zum Eröffnungsgottesdienst am 26. August waren in ökumenischer Verbundenheit auch Propst Martin Reyer, Pfarrerin Dr. Petra Heldt, Pfarrer Rüdiger Scholz (Auguste-Victoria/Ölberg) und P. Thomas Meyer von den Weißen Vätern (St. Anna) in die Dormitio-Basilika gekommen.

Am Vormittag dieses 26. August vertrat Abt Benedikt unsere Gemeinschaft bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Band an Pfarrerin Dr. Petra Heldt, die seit über 20 Jahren in Israel lebt und arbeitet und sich besonders im innerchristlichen und innerreligiösen Gespräch engagiert. Botschafter Rudolf Dreßler resümiert in seiner Laudatio: "Das Handeln von Frau Dr. Heldt ist stets darauf gerichtet, die Verständigung zwischen entfremdeten, wenn nicht sogar verfeindeten Parteien herbeizuführen. Zwischen Christen, zwischen Christen und Juden, Deutschen und Israelis, zwischen Juden und Palästinensern. Sie trug erheblich dazu bei, den historisch belasteten Ruf der Deutschen in der israelischen Öffentlichkeit zu verbessern."

Zu einem feierlichen Gottesdienst hatte der Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) am Abend des 30. August in die Erlöserkirche eingeladen, auch hier vertrat Abt Benedikt unsere Gemeinschaft. Vom folgenden 31. August bis zum 6. September haben die Mitglieder des LWB-Rates dann in Betlehem bzw. Jerusalem getagt.

September 2005

Am 7. September trafen die Mitglieder der "Jerusalem-Runde", d.h. die Vertreter der zum Deutschen Verein vom Heiligen Land gehörenden Institutionen sowie des Deutschen Pilgerhospizes St. Charles in Jerusalem (Borromäerinnen,) in der Abtei zusammen. Bei diesen Sitzungen berichten jeweils die einzelnen Institutionen (Pilgerhaus Tabgha, Kloster Tabgha, Altenheim Beit Emmaus, Paulushaus/Schmidtschule, Abtei Hagia Maria Sion, Jerusalembüro des Deutschen Vereines) von den Entwicklungen und den Problemen in ihren Häusern.

Am Vorabend des Festes Kreuzerhöhung folgten wir gerne wieder einmal mit der ganzen Jerusalemer Gemeinschaft einer Einladung der Borromäerinnen zu einem Grillabend im schönen Garten der Schwestern.

Ausblick und Personalia

Seit Mitte Juni lebt P. Fernando Edwards OSB aus der chilenischen Abtei Las Condes mit uns. Er wird in Jerusalem und später in Tabgha ein Sabbatjahr verbringen, das er in diesen Tagen mit viel Spaß zu einem Deutschkurs am Jerusalemer Goethe-Institut nutzt.

Vor der Kirche auf dem Zion: P. Fernando mitten in einer israelischen Gruppe. - Im Pilgeransturm der Frühlings- und Sommermonate in Laden und Cafeteria an vorderster Front: Sr. Bernadette, Sylvia Höß, Conny Barmetler, Rahel Bucher und Kerstin Winkler (von oben nach unten).

Eine ganze Reihe von Volontärinnen hat in den vergangenen Monaten unserer Gemeinschaft wieder unter die Arme gegriffen, insbesondere in den Arbeitsbereichen, für die Schwester Bernadette die Verantwortung trägt, d.h. im Laden, in der Cafeteria und bei den vielen Ecken, Winkeln und Fensterscheiben, die es sauber zu halten gilt, sowie in Zusammenarbeit mit P. Elias auch bei der Gästebetreuung und bei der Vorbereitung der Zimmer im Beit Josef für das Studienjahr. Sehr herzlich bedanken wir uns bei Rahel Bucher (Schweiz), Kerstin Winkler und Conny Barmetler (Deutschland - Conny war schon zum zweiten Mal bei uns), Christa Wiesinger, Katharina Benedikt und Veronika Heiss (Österreich) sowie Antoinette Pruner (Luxemburg), die mehrere Wochen bzw. Monate mit uns mitgelebt, -gebetet und -gearbeitet haben! Danke!

Im Rahmen seiner 150-Jahr-Feier bietet der Deutsche Verein vom Heiligen Land in diesem Jahr besondere Reisen ins Heilige Land an, in deren Verlauf u.a. am 1. Oktober in der Brotvermehrungskirche und am 8. Oktober in der Dormitio-Basilika Pilgergottesdienste gefeiert werden.

Vor 40 Jahren, am 28. Oktober 1965, verabschiedeten die Väter des Zweiten Vatikanums die Erklärung "Nostra Aetate", mit der die katholische Kirche ihr Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen, insbesondere zum Judentum neu bestimmte und damit wichtige Grundlagen für den Dialog der folgenden Jahrzehnte gelegt hat. Pfarrer Wilhelm Salberg, Stifter des Mount Zion Award, der in unserer Abteikirche alle zwei Jahre verliehen wird, bestimmte diesen Tag als jeweiliges Datum der Preisvergabe. Der diesjährige Preisträger wird Rabbi David Rosen sein, der als Rabbiner in Israel, Südafrika und Irland gearbeitet hat. Insbesondere engagiert sich der gebürtige Engländer auf verschiedenen Ebenen im interreligiösen Dialog, ist z.B. seit 1995 Präsident der Weltkonferenz für Religion and Frieden (WCRP), seit 1998 Präsident des Internationalen Rates der Christen und Juden, der 33 Mitgliedsorganisationen in 31 Ländern hat und seit 2001 Internationaler Direktor für Interreligöse Angelegenheiten beim American Jewish Committee (AJC).
Rabbi Rosen wird am 28. Oktober neben dem ehemaligen Pariser Erzbischof Jean-Marie Kardinal Lustiger an einer Jubiläumsveranstaltung zum 40. Jahrestag von "Nostra Aetate" in Rom teilnehmen, zu der Walter Kardinal Kasper, der Präsident des päpstlichen Einheitsrates sowie der Kommission für die religiösen Beziehungen mit den Juden, einlädt. Die Verleihung des Mount Zion Award wird daher erst am Donnerstag, 3. November 2005, stattfinden.

Freuen würden wir uns, wenn die längst überfällige Reparatur einiger Dachteile noch vor der Regenzeit durchgeführt werden würde, da sich in den Zellen von Vater Abt und Br. Jürgen von der durchnässten Decke her der Schimmel an den Wänden auszubreiten beginnt.