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28. Rundbrief - Oktober 2005 Work-Camp 2005 und eine Geschichte (fast) mitten aus dem Leben Reinigung der alten Mosaike
Sieben Workcamper haben uns in Tabgha im Sommer drei Wochen
lang mit geballter Arbeitskraft geholfen, all jene Arbeiten in Großeinsätzen
anzugehen, zu denen uns im Alltag die Zeit oft nicht reicht: die Reinigung
des Seeufers und des Bachlaufes durch den Garten, Anstreicherarbeiten,
und dieses Mal vor allem die Grundreinigung der alten Mosaike der Brotvermehrungskirche.
Jeder Meter wurde mit Schmierseife und Ausdauer geschrubbt, so dass wahrscheinlich
kaum ein Besucher unserer Kirche die Mosaiken so gut im Detail kennt,
wie unsere Workcamper. Allen sieben sei herzlich für ihren Einsatz
gedankt: Boris Braukmann, Horst Engelskircher, Maren Gaugel, Christin
Milin, Günter Obst, Karolin Orlowski und Johannes Schlund. Sie haben
sich auch von der Sommerhitze des August nicht klein kriegen lassen: Vergelt's
Gott! - Ein Dankeschön auch an Ursula Schulten vom Deutschen Verein
vom Heiligen Land, die das Workcamp organisiert und vorbereitet hat. Wie die beiden Enten in die Lotusblüte kamen Als die Kirche von Tabgha erbaut wurde - fast fünfzehnhundert Jahre ist es her - kamen Künstler aus dem fernen Ägypten. Unter ihnen war Machmud, den sie Ibn Asssad nannten, denn sein Vater war stark wie ein Löwe. Machmud aber war nicht stark, seine Kraft lag in seiner Phantasie und in seinen Händen. Ganz gleich welche Vorstellung sich auch in seinen Gedanken bildete, unter seinen Händen wurden daraus lebendige Bilder - geschaffen aus Tausenden kleiner Mosaiksteine. Oft saß er am Ufer des Sees Genesareth und wünschte sich weit weg ans Ufer des Nils, die Pyramiden im Rücken und zu seinen Füßen Fatima, die ihn liebte. So saß er da, mit traurigen Augen, als eines Tages ihn zwei Enten auf dem Wasser schaukelnd bemerkten. Der Enterich fragte ihn: "Was bist du so traurig?" Und Machmud antwortete: "Ich sitze hier und soll die schönsten Mosaike legen, und dabei denke ich mehr an Fatima, die am Nil sitzt, und ich weiß nicht, wie es ihr geht." Nach einer Weile warf ihm der Enterich einen tröstenden Blick zu und sagte: "Wir werden dir helfen. Schreib eine Nachricht auf Pergament, roll es zusammen und binde es an mein linkes Bein, aber so hoch, dass es nicht nass wird." Gesagt, getan. Das Entenpaar flog zum fernen Nil und Machmud blieb mit bangem Herzen zurück. Er arbeitete weiter an den Mosaiken, legte inzwischen einen Turm, wie er am Nil zu sehen ist, auch einige abstrakte Muster. An weitere Pflanzen und Tiermotive wagte er sich noch nicht. So saß er wieder am Ufer und sah wie am Firmament zwei kleine Punkte allmählich größer wurden und zielstrebig auf ihn zu kamen. Sein Herz klopfte: Es war das Entenpaar. Im eleganten Bogen glitten sie auf den Wellen des Sees hinunter. "Hier sind wir wieder", sagte die Ente, die noch ganz außer Atem vom weiten Flug war, "und wir bringen dir Grüße von deiner Fatima. Jeden Tag sitzt sie am Nil und ständig denkt sie an dich. Hier, sie sendet dir diese Lotusblüte. Sie trug sie in ihrem Haar." Voll Freude nahm Machmud die Blüte und barg sie zärtlich in seine Hände. "Ich werde euch nie vergessen", sagte Machmud zu den Enten, "und alle Welt soll von euch erfahren. Kommt in einer Woche zur Kirche, dann will ich euch zeigen, wie ich von euch erzähle!" Und nach einer Woche, als die beiden Enten vom Ufer aus in die Kirche watschelten, da fanden sie dieses Bild: Sie beide saßen leibhaftig in einer Lotusblüte und wiegten sich leise im Wind. "Tatsächlich", sagte der Enterich, "das sind wir beide! Aber, die Augen so strahlen nur Fatimas Augen und deine!"
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