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Studienjahr 2005 / 2006: Berichte
Einen kleinen Einblick in das Theologische Studienjahr und
seine spezifische Art des Lernens geben diese beiden Berichte aus dem
Studienjahr 2005 / 2006: Die Exkursionen im Land der Bibel, die neben
den Vorlesungen und Seminaren zu den zentralen Lehrveranstaltungen des
Studienjahrs gehören, werden vorgestellt durch einen Bericht über
die zehntägige Galiläaexkursion. Der Bericht über die Vorlesung
von Prof. Yair Zakovitch zeigt ebenfalls eine der spezifischen Stärken
des Theologischen Studienjahrs auf: seinen Beitrag zum interreligiösen
Gespräch, hier im Bereich der Exegese.
Galiläa-Exkursion: 08.-17. November 2005
Vorlesung
von Yair Zakovitch: Theophania - A Jewish Approach to Old Testament Reflections
on the Appearance of God
Galiläa-Exkursion: 08.-17. November 2005
08. November "Entlang dem Jordangraben"
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Der Jordan |
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Die zweite große Exkursion des 32. Theologischen Studienjahres
begann früh Morgens am 08.11. 2005. Mit einem Reisebus machten wir
uns auf den Weg von Jerusalem in den Norden Israels, nach Galiläa.
Begleitet wurden wir von Prof. Jürgen Zangenberg, seiner Assistentin
und drei weiteren Gasthörern.
Unsere erste Station war Bet Shean. PD Dr. Jürgen Zangenberg begann
seine Führung auf dem Tell Bet Shean, auf dem ca. 20 verschiedene
Siedlungsschichten zwischen Neolithikum und Mittelalter ausgegraben wurden.
Im Anschluss daran besichtigten wir das Theater Bet Sheans, das aus dem
ersten nachchristlichen Jahrhundert stammt und bis in die byzantinische
Zeit genutzt wurde. Obwohl von ursprünglich drei übereinander
gelegenen Sitzrängen nur der untere vollständig erhalten ist,
beeindruckt das Theater durch seine Größe und Pracht. Neben
der Silvanusstraße mit ihren teilweise rekonstruierten Säulen
und Ladenfassaden führte unser Weg uns in das östliche Badehaus,
das in der Römerzeit errichtet und während der byzantinischen
Periode renoviert wurde. Es enthält ein Kaldarium und ein Frigidarium,
darüber hinaus ein System ähnlich einer Fußbodenheizung,
ein sog. Hypokaust.
Auf dem Weg nach Hamat Tiberias, unserem zweiten und letzten Ziel für
diesen Tag, sahen wir noch das Amphitheater, das einige hundert Meter
außerhalb Bet Sheans liegt. Ursprünglich handelte es sich hierbei
um ein Hippodrom aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., welches jedoch im 4.
Jahrhundert zu dem heutigen Amphitheater umgebaut wurde.
Leider sind nur drei Reihen des Sitzblocks, der ursprünglich Raum für
6000 Menschen bot, erhalten. In Hamat Tiberias besichtigten wir das berühmte
Mosaik der Severussynagoge aus dem 4. Jahrhundert n.Chr. Es enthält
vier Inschriften, drei davon griechisch und eine aramäisch. Der mittlere
Teil zeigt ein Zodiac mit nur teilweise erhaltenen hebräischen Worten.
Inmitten des Zodiac befindet sich eine Darstellung des Sonnengottes Helios,
ein Zeichen für den hellenistischen Einfluss. Darüber ist gut
erhalten ein Toraschrein sichtbar, der von zwei Menorot sowie diversen anderen
rituellen Objekten eingerahmt wird.
09. November "Rund um den See - Christen und
Juden in Galiläa"
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Sonnenuntergang auf Hippos
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Als erstes besuchten wir im Kibbuz Shaar Hagolan das Museum
der Yarmuk-Kultur, wo ein Film uns in deren Geschichte einführte.
Von dort fuhren wir nach Kafarnaum, welches als Heimatort des Simon Petrus
gilt. Dort besichtigten wir die Ausgrabungen und hatten die Gelegenheit,
die dort in neuerer Zeit errichtete Kirche anzuschauen. Dann ging es weiter
nach Kursi.
Kursi ist derjenige Ort, an dem das Schweinewunder aus Mt 8 lokalisiert
wird und der daher mit Gerasa bzw Gadara identifiziert wird. Reste einer
großen byzantinischen Klosteranlage mit Kirche und einer Kirche
im Basilikastil etwas oberhalb davon, beide aus dem fünften Jahrhundert,
wurden dort ab 1970 ausgegraben. Heute sind Teile der zur Klosteranlage
gehörenden Kirche und ihre Ölpresse rekonstruiert.
Den Schluss dieser Tagesexkursion bildete die Besichtigung von Hippos,
wo wir einen wunderschönen Sonnenuntergang erlebten.
10. November "Tote, Opfer und Altäre"
Dieser Tag begann mit der Besichtigung von Beth Shearim.
Dort entdeckte man bei Grabungen u.a. Reste einer Synagoge und einer Stadtmauer,
sowie ein Statttor. Alle Funde datieren zwischen dem 2. und dem 4. Jahrhundert
n.Chr. Bet Shearim besticht jedoch vor allem durch die faszinierende Nekropole,
bestehend aus mehr als 30 Grabhöhlen. Ihre Eingänge zieren beeindruckende
Fassaden im klassischen Stil. Einige der Grabhöhlen sind betretbar.
In ihrem Inneren befinden sich große Sarkophage mit Inschriften
und jüdischen Symbolen. Allein die "Cave of the Coffins"
birgt 135 überwiegend verzierte Sarkophage auf einer Länge und
Breite von 75 Metern.
Unser zweites Ziel an diesem Tag war Meggido, ein Stück südlich
von Beth Shearim gelegen.
In Meggido förderten Ausgrabungen Überreste aus vielen historischen
Perioden zu Tage, wodurch der Tell faszinierend vielfältig ist. Gunnar
Lehmann, der die Führung vornahm, erörterte uns zunächst
die Lage der Nordtore Meggidos in den verschiedenen Perioden sowie deren
Bedeutung. Anschließend führte er uns über große
Teile des Tells und legte uns das Problem einer eventuellen Fehldatierung
in die salomonische Zeit vieler Gebäude dar. Schließlich stiegen
wir in das Wassersystem aus dem 9. Jahrhundert ab, das über einen
unterirdischen Tunnel zu einem außerhalb der Stadt gelegenen Brunnen
führte.
Wir fuhren weiter nach Westen und erreichten unsere letzte Tagesstation,
Beth Alfa. In der dortigen Synagoge aus dem 6. Jahrhundert befindet sich
eines der besterhaltenen und schönsten Mosaike dieser Zeit. Wir sahen
zunächst einen kurzen Film über das Mosaik und den Bau der Synagoge.
Der obere Teil des Mosaiks zeigt einen Toraschrein umgeben von Löwen,
Vögeln und Menorot. Darunter gelegen, im Zentrum des Mosaiks ist
ein Zodiac dargestellt. In seiner Mitte befindet sich der Sonnengott Helios.
In den Ecken des Zentrums sind vier weibliche Gestalten abgebildet, die
jeweils eine Jahreszeit symbolisieren.
Am berühmtesten ist der untere Teil des Mosaiks, der die Opferung
Isaaks zeigt.
11. November "Die Städte der Eisenzeit"
Unsere erste Station an diesem Tag war Hazor. Der Tell erstreckt
sich über 80 Hektar und ist geteilt in eine Ober- und eine Unterstadt.
Nur die weitaus kleinere Oberstadt ist der Öffentlichkeit zugänglich.
Die Funde datieren teilweise zurück bis in die späte Bronzezeit,
z.B. der kanaanitische Tempel oder der Palast der kanaanitischen Könige
von Hazor.
Daneben gibt es zahlreiche Funde aus der Eisenzeit. Besonders eindrucksvoll
stellt sich hierbei das salomonische Tor dar, das als Sechskammertor symmetrisch
gebaut ist und den Toren von Meggido und Gezer gleicht. Vom Tor aus erstreckte
sich eine Einfriedungsmauer, die die gesamte Westseite der Oberstadt einschloss.
Etwas westlich davon befinden sich zwei sehr gut erhaltene Gebäude
aus dem 9./8. Jahrhundert v.Chr. Zum Einen das Haus Yael, ein Wohnhaus
mit rekonstruierter Ölpresse, zum Anderen das sog. Säulenhaus,
das vermutlich als öffentliches Lagerhaus diente.
Von Hazor aus fuhren wir weiter in den nördlichsten Teil Galiläas
nach Dan. Der Tell besticht zunächst durch seine besondere Lage am
Fluss Dan, dem größten der drei Nebenflüsse des Jordan.
Entlang dem stark bewaldeten Flusslauf erreichten wir den Kultort aus
der Zeit Jerobeams. Eine weitere Besonderheit Dans ist das israelitische
Tor im Westen des Tells. Hier wurde eine Inschrift aus dem 9. Jahrhundert
v.Chr. gefunden, die neben Hasael, dem König von Damaskus, auch den
König Israels und den König des Hauses David nennt. Es ist der
älteste Beleg für das "Haus Davids" außerhalb
der Bibel.
Anschließend besichtigten wir Bethsaida bzw. Et-Tell. Aus der Eisenzeit
sind Teile einer massiven Toranlage erhalten, die bei der assyrischen
Eroberung 732 v.Chr. zerstört wurde.
Aus der Zeit des zweiten Tempels sind das sog. Fischerhaus und das Weinmacherhaus
relativ gut erhalten. Das Fischerhaus erhielt seinen Namen auf Grund zahlreicher
Funde aus dem Bereich der Fischerei. Das Weinmacherhaus besitzt einen
Keller, der vermutlich für die Lagerung von Wein verwendet wurde.
12. November "Das Galiläa der Heiden"
Gleich am Morgen dieses Tages hörten wir ein Ortsreferat
eines Kommilitonen über die Primatskapelle bei Tabgha.
Im Anschluss daran besuchten wir Nazareth, wo Pfarrer Ludger Bornemann
die Führung der Gruppe übernahm. Wir besichtigten zuerst die
Verkündigungskirche der Griechisch-Orthodoxen und dann die der Lateiner
mit ihren vielfältigen Mariendarstellungen aus aller Welt und dem
dazugehörigen Museum.
Unsere nächste Station war Sepphoris (Zippori). Zunächst erläuterte
uns Jürgen Zangenberg die Lage und die Bedeutung der antiken Stadt
auf dem Dach der Kreuzfahrerzitadelle, das heute als Aussichtsplattform
dient. Danach sahen wir das berühmte Dionysusmosaik in einem römischen
Haus des 3. Jahrhunderts, das auch die Darstellung einer schönen
Frau (die galiläische Mona Lisa) beinhaltet. Unser Weg führte
uns im Anschluss zum Theater aus dem frühen 2. Jahrhundert, das bis
in die byzantinische Zeit im Gebrauch war. Auf 70 Meter Durchmesser bot
es Platz für 4500 Menschen. Schließlich sahen wir das Nilmosaik
aus dem 5. Jahrhundert, das ägyptische Festlichkeiten zeigt.
13. November "Freier Tag"
Wir begannen den Tag mit einer gemeinsamen Messe in Tabgha.
Direkt im Anschluss hatten wir die Möglichkeit mit Jürgen Zangenberg
den Tel Kinroth zu besichtigen. Nachmittags konnten wir fakultativ die
Ausgrabungen in Tiberias besuchen. Die Führung wurde von Izhar Hirschfeldt,
dem derzeitigen Ausgrabungsleiter vor Ort, durchgeführt. Einige von
uns besuchten im Anschluss Arnon (einen der Guides der Sinaiexkursion),
der ganz im Norden wohnt.
14. November "Alltag zur Zeit des Frühjudentums"
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Gamla |
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Unsere erstes Station an diesem Tag war Chorazin, eine Stadt,
die im Babylonisch Talmud als bekannt für ihren guten Weizen erwähnt
wird, im Neuen Testament als Stadt, die Jesus verurteilt (Mt 11,21; Lk
10,13). Zu sehen gab es eine alte Synagoge, ein Ritualbad, Wohnhäuser
und ein Olivenpresse.
Dann ging es weiter nach Qazrin, welches während der byzantinischen
und frühislamischen Epoche eine florierende jüdische Siedlung
war, in welcher eine geräumige und reich verzierte Synagoge errichtet
wurde. In einem kleinen Museum wurden wir durch einen Film über Gamla
auf unser nächstes Ziel vorbereitet.
Im Naturreservat von Gamla ist neben den Ausgrabungsstätten der grösste
Wasserfall von Israel zu finden (51 m hoch). In die Geschichte Gamlas
wurden wir durch ein Ortreferat von Christiane eingeführt. In einem
ersten Punkt erfuhren wir etwas über die Lage, den Namen und die
Geschichte bis zum jüdischen Aufstand; in einem zweiten Punkt schilderte
uns Christiane die Belagerung und Eroberung durch die Römer nach
Josephus (Zitat mehrer Textauszüge aus Flavius Josephus "De
Bello Judaico") und den Schluss bildete die Frage, inwiefern Gamla
zu einem jüdischen Mythos tendiere in Betrachtung seiner heutigen
Rezeption im Staat Israel. Nach dem Referat begaben wir uns zuerst zu
den Überresten der Stadt, wo PD Dr. Jürgen Zangenberg an einzelnen
Stellen Erklärungen lieferte, und wanderten danach zum Wasserfall,
bevor es zurück zum Bus ging.
15. November "Handel und Verkehr"
Dieser Tag begann mit der Besichtigung des "Hamizgaga"
Museums im Kibbuz Nachsholim in Dor. Im Zentrum des Kibbuz Nachsholim
steht das Gebäude einer früheren Glasfabrik, die von Baron de
Rothschild 1891 als Teil einer jüdischen Siedlung erbaut wurde. 1896
wurde die Fabrik geschlossen und verlassen. Nach dem Unabhängigkeitskrieg
von 1948 wurde das Kibbuz Nachsholim in diesem Gebiet errichtet. Nachdem
die ehemalige Glasfabrik über 80 Jahre verlassen dagestanden war,
wurde sie von den Kibbuzmitgliedern renoviert, so dass das Gebäude
heute als Museum und Zentrum für archäologische Forschung dient.
Im Museum sind unter Wasser entdeckte Objekte ausgestellt. Eine weites
Sortiment von Ankern, Krügen und Schiffsgeräten bezeugen die
Bedeutung des Hafen von Dor schon zu frühen Zeiten. Ebenfalls zu
finden sind Stücke aus der Zeit Napoleons (1799). Weiter werden im
Museum auch Funde vom Tel Dor, wo seit 1980 Ausgrabungen stattfinden,
präsentiert: sakrale Figuren, Aufbewahrungskrüge, Öllampen,
Schmuck... Zum besseren Verständnis des Ortes und der archäologischen
"Unter-Wasser-Forschung" wird den Besuchern jeweils ein kurzer
Film vorgeführt.
Dann führte unser Weg weiter nach Caesarea Maritima, einer eindrücklichen
antiken Hafenstadt an der Mittelmeerküste. Die ganze Anlage gilt
als Nationalpark, der sich vom römischen Theater im Süden bis
zur Kreuzfahrerstadt im Norden erstreckt, mit einer byzantinischen Piazza,
einem Palast, Strassen, einem Dampfbad, dem "herodianischen Amphitheater"
u.s.w. Auch hier wurden wir unter der kompetenten Leitung von PD Dr. Jürgen
Zangenberg in die Ortsgeschichte eingeführt.
In der persischen Periode bauten die Phönizier diesen Ort, der seine
grösste Ausweitung in der hellenistischen Zeit hatte und unter dem
Namen "Straton" bekannt war. Erst im Jahre 30 v.Chr., als die
Stadt dem Gebiet des Herodes d.G. zugeteilt und von diesem erweitert wurde,
erhielt sie den Namen "Caesarea", zu Ehren des römischen
Caesars, Oktavius Augustus. Caesarea war eine gut geplante Stadt mit parallelen
und sich kreuzenden Strassen, mit Tempel, Theater, Amphitheater, Märkten
und Wohngebieten. Seit dem Jahre 6 n.Chr. wurde sie der Sitz der römischen
Prokuratoren. Die Bevölkerung Caesareas setzte sich aus Juden und
Heiden zusammen. Als der erste jüdische Aufstand im Jahre 66 n.Chr.
ausbrach, diente Caesarea als Basis der römischen Legionen, die den
Aufstand unterdrückten. Hier wurde der Heerführer Vespasian
zum Kaiser ausgerufen. Nach der Zerstörung Jerusalems wurde sie die
grösste und wichtigste Stadt im Land und erhielt den Status einer
"Colonia". Im 3./4. Jh. lebten in Caesarea Heiden, Samaritaner,
Juden und Christen. Am Ende des 6. Jh. befestigte man Caesarea und so
wurde sie zur grössten befestigten Stadt des Landes. Nach der Eroberung
durch die Araber (640) verlor Caesarea an politischer und wirtschaftlicher
Bedeutung und blieb nur noch ein kleiner Ort neben dem Hafen. Im Jahre
1101 wurde Caesarea von den Kreuzfahrern erobert und erhielt unter ihnen
die - heute zu sehende - starke Befestigungen. Bei der Eroberung durch
die Mamlucken wurde die Stadt vollständig zerstört. Erst im
19. Jh. wurde sie unter den Türken restauriert und diente als Verwaltungszentrum.
Zum Schluss besichtigten wir den eindrücklichen Aquädukt, welcher
direkt am Meeresufer liegt. Dann ging es zurück nach Tabgha.
16. November "Der Golan im Wandel der Zeiten"
Die erste Station dieses Tages war die Wasserstation Mekorot.
Ein kurzer Film erläuterte uns die Entwicklung der Wasserversorgung
in Israel. Im Anschluss durften wir einen kurzen Blick auf die mächtigen
Turbinen werfen, bevor unsere Reise weiterging.
Beim Denkmal Oz 77 hielten wir die Morgenandacht und fuhren dann weiter
zum Drusenheiligtum Nebi Khazouri. Dort führte uns Manuel durch ein
Ortreferat in die Lehre und das Alltagsleben der Drusen ein.
Danach ging es auf unser nächstes Ziel zu: Nimrud. Die Nimrud-Festung
ist eine der grössten und beeindruckendsten Festung aus der Kreuzfahrerzeit,
welche im Nahen Osten seit dem Mittelalter überlebt hat. Ihre Breite
variiert von 50-150 m und ihre Länge beträgt 420 m. Die Befestigung
wird umgeben von starken Mauern, welche mit Türmen ergänzt wurde.
Drei Tore führten in die Anlage hinein: zwei im Süden und eines
im Westen.
Unser Weg führte uns weiter nach Banias (Cäsarea Philippi),
zur Besichtigung des Naturschutzreservat Nahal Hermon. Ein breiter Weg
führt um die Quellen der Banias-Becken herum zur Banias-Höhle.
Die fünf Nischen, die in den Fels rechts (östlich) der Höhle
geschlagen wurden, sind Überreste eines Tempels, der dem griechischen
Gott Pan geweiht war. Nach ihm war einst die ganze Region benannt: Paneas
(im arab. wurde daraus Banias). Hier fand man Inschriften zur Ehren der
Bergnymphe Echo, des musikliebenden Gott Diopan, sowie des Galerius, eines
Priesters des Pan. Westlich der Banias-Höhle steht das Grab des Nebi
Chader. Nebi (Prophet) und Chader (grün) ist eine arabische Bezeichung
für den Propheten Elia. Einige Dutzend Meter weiter führt ein
Pfad an den Ruinen alter Gebäude vorbei. Nach Schätzungen der
Archäologen stammen die Ruinen unterhalb des Grabes von Nebi Chader
von einem Palast oder Tempel des Herodes.
In seinem Werk "Bellum Judaicum" erwähnt Josephus den Tempel,
den Herodes in Banias gebaut hatte:"Als der Caesar ihm dann noch
mehr Land als Geschenk überliess, veranlasste Herodes, dass man ihm
dort auch noch einen weissen Marmortempel errichtet, ganz nahe bei den
Quellen des Jordan; der Ort hat den Namen Paneion."
Wir durchwanderten das Reservat bis an sein Ende, wo der Wasserfall situiert
ist. Dort wurden wir dann von unserem Bus abgeholt, der uns wieder zurück
nach Tabgha brachte.
17. November "Rückreise nach Jerusalem"
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Der Altar auf Dalmanutha in Tabgha
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Gegen 11 h, nachdem wir unsere Unterkunft fertig geputzt
hatte, ging die Rückreise nach Jerusalem los. Zuerst machten wir
im Kibbuz Ginosar, in der Nähe von Tabgha, einen Halt, um das alte
galiläische Boot zu besichtigen, welches dort in einem Museum ausgestellt
ist. Das Boot hat eine Länge von 8,2 m, eine Breite von 2,3 m und
eine Höhe von 1,2 m. Es entspricht der typischen alten mediterranen
Bauart und stammt vermutlich aus dem Beginn des 1. Jh. v.Chr. Entdeckt
wurde das Boot 1986, als der Seespiegel besonders tief sank. Aber erst
seit 2000 ist es hier ausgestellt.
Nach diesem Zwischenhalt ging es weiter bis zum Berg Tabor, den wir zu
Fuss erklimmten. Oben angekommen, gab es nach einem gemeinsamen Picknick
die Möglichkeit, die dort errichtete Franziskaner-Kirche zu besuchen.
Danach stiegen wir zurück in den Bus, um erst in Jerusalem wieder
auszusteigen.
Yair Zakovitch: Theophania - A Jewish Approach to Old
Testament Reflections on the Appearance of God
Oder: Die spezifische Botschaft liegt in der Differenz
07. - 20. Dezember 2005
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Prof. Yair Zakovitch
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Yair Zakovitch, Dekan der geisteswissenschaftlichen Fächer
an der Hebräischen Universität zu Jerusalem, widmete sich in
seiner Vorlesung "Theophania - A Jewish Approach to Old Testament
Reflections on the Appearance of God" dem Jahresthema "Figuren
der Offenbarung" mit Blick auf entsprechende Texte des Alten Testaments
aus der Sicht eines jüdischen Exegeten. Dabei ging er so vor, dass
er ausgewählte Einzeltexte auslegte und mit ähnlichen Texten
innerhalb des Alten Testaments verglich. Mit dieser Verfahrensweise maß
er dem biblischen Kanon ein hohes Gewicht bei, brachte er doch einzelne
Texte aus der Bibel miteinander ins Gespräch. Zakovitch unternahm
nämlich nicht den Versuch, die biblischen Texte zunächst in
ihrem historischen oder ideengeschichtlichen Kontext zu untersuchen, sondern
legte die biblischen Schriften durch die biblischen Schriften aus. Dabei
zeigte er sich als höchst aufmerksamer Leser und Hörer der Bibel,
der ähnliche Formulierungen und Wendungen, sowie gleiche hebräische
Wortwurzeln an verschiedenen Stellen ausmachte und miteinander in Verbindung
setzte. So entstanden Brücken und Linien zwischen Texten, die auf
den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun hatten. Bisweilen muteten
die Assoziationen fast schon virtuos an; gelegentlich gab Zakovitch auch
schmunzelnd zu, sie könnten hier und da auch "a little bit sophisticated"
sein. Ein Paradebeispiel hierfür ist seine Auslegung von Ps 114 in
Verbindung mit Ex 15,17, wo er Israel das "Herrschen" zuschreibt,
weil er mit "sr" im Namen "Israel" die Wurzel von
"herrschen" erkennt, während Juda die Einwohnung Gottes
verheißen sei, weil der Konsonantenbestand von "Juda"
den Gottesnamen enthalte. Solch eine Auslegung ist nur möglich, wenn
man den hebräischen Text aufmerksam betrachtet und zu einem souveränen
Umgang mit ihm findet. Dies war eines der Hauptanliegen des Dozenten in
der Vorlesung - er ermunterte seine Studierenden inständig, am hebräischen
Text zu arbeiten, ihn zu lesen und auswendig zu lernen. Von daher ließ
Zakovitch auch keine Gelegenheit aus aufzuzeigen, wie Übersetzungen
den Reichtum der Bilder und Assoziationen im Alten Testament verdunkelten.
Wie wollte man auch in einer Übersetzung wiedergeben, dass Elia,
der an den Berg Horeb kommt, gerade auch deshalb dort hingelangen musste,
weil er auf Vergeltung für die Sünden Israels sann. Im Hebräischen
enthalten die Worte "Horeb" und "Rache"/"Vergeltung"
die gleichen Konsonanten. So etwas kann eine Übersetzung von 1 Kön
19 in eine andere Sprache nur schwer nachahmen. Doch gerade auf diese
Details kam es Zakovitch bei seinem Durchgang durch die verschiedenen
Texte des Alten Testamentes, die von Gottes Offenbarung an die Menschen
handeln, an. Denn die spezifische Botschaft eines Textes liegt genau da,
wo er sich - bei allen Parallelen - von allen anderen Texten unterscheidet.
Dies herauszuarbeiten heißt, die Botschaft des Textes zu Gehör
zu bringen. Wo es Studierenden gelang, vergleichend und unterscheidend
das Spezifikum eines Textes, seine Botschaft, zu formulieren, zeigte sich
Zakovitch zufrieden und schritt zum nächsten Text voran.
Auf diese Art und Weise gelang Zakovitch ein schneller und doch sehr intensiver
Durchgang durch Texte von der Genesis bis zu den Psalmen, von Mose über
Elia bis zu Jesaja und Micha. Eine wichtige Erkenntnis dieser Zusammenschau
von Texten war, dass die Art und Weise, wie eine Offenbarung geschieht
bzw. beschrieben wird, auch den Schlüssel zum Verständnis der
geoffenbarten Botschaft darstellt. Das Offenbarungsgeschehen präfiguriert
die offenbarte Botschaft. Da Gott nicht zweimal dasselbe offenbart, sondern
jede Offenbarung Gottes einen neuen Inhalt hat, gilt: Gott offenbart sich
jedes Mal auf andere Art und Weise. Vielleicht war die Vorlesung von Yair
Zakovitch derart kurzweilig, weil sie jede Stunde eine neue Offenbarung
geboten hat. Zu den vielen kleineren Offenbarungen aus der Vorlesung,
die aber auch erwähnenswert sind, gehören u.a., dass Yair Zakovitch
ein Engel ist, weil er die göttliche Botschaft überbringt, dass
der preisgünstigste Reiseveranstalter im Nahen Osten - für einen
Israeli - "Zahal" (Verteidigungsstreitkräfte Israels) heißt
und dass es die Aufgabe der Bibelübersetzer ist, den schönen
hebräischen Bibeltext zu entstellen. Spätestens damit unterschied
sich die Vorlesung auf ihre ganz eigene Weise von allen anderen im Studienjahr
und erwies sich somit als eine ganz Besondere
(ras)
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