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Die Brotvermehrungskirche

Die Brotvermehrungskirche in Tabgha

Schon die Pilgerin Aetheria beschreibt um 390 hier, an den sieben Quellen (vom griechischen Wort Heptapegon, "Siebenquell", leitet sich der Name Tabgha ab), eine Kirche am Ort der ersten Brotvermehrung Jesu: "Dies ist das Feld, auf dem der Herr die Volksmenge mit fünf Broten und zwei Fischen gesättigt hat. Der Stein, auf den der Herr das Brot gelegt hat, wurde zu einem Altar." Diese erste, einfache Kirche war vermutlich um das Jahr 350 im syrischen Stil erbaut worden.

Der Stein der Brotvermehrung

In der zweiten Hälfte des 5. Jh. wurde sie durch einen wesentlich größeren Neubau ersetzt: eine dreischiffige Kirche mit Querschiff, Atrium, Narthex und mehreren Nebenräumen. Der verehrte Stein wurde unter den neuen Altar versetzt. Die Kirche wurde unter anderem mit Bodenmosaiken von hoher Qualität geschmückt, die zum Großteil bis heute erhalten sind. Am bekanntesten ist die Darstellung der zwei Fische und des Brotkorbes vor dem Altar, die an die Brotvermehrung erinnert; bemerkenswert sind aber auch die Darstellungen von Fauna und Flora der Seelandschaft in den Seitenschiffen, die stark an ägyptische Motive erinnern.

Brot und Fische - das Mosaik

Die byzantinische Kirche wurde in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts, vermutlich durch die Perser, die 614 ins Heilige Land einfielen, zerstört. Die heiligen Stätten am See Genesareth, die in byzantinischer Zeit Ziel vieler Pilger gewesen waren, gerieten unter der wenig später beginnenden arabischen Herrschaft in Vergessenheit.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stieg in Europa das Interesse für das Heilige Land. Der in dieser Zeit gegründete Deutsche Palästinaverein, der im heutigen Deutschen Verein für das Heilige Land fortbesteht, erwarb 1889 ein Grundstück in Tabgha, das seit 1939 von den Benediktinern betreut wird. 1911 wurden bei ersten Ausgrabungen die Grundmauern der byzantinischen Kirche und die Mosaiken entdeckt. Erst 1932 konnten sie vollständig freigelegt werden; 1936 wurden bei Restaurierungsarbeiten an den Mosaiken die darunterliegenden Reste der ersten Kirche aus dem 4. Jahrhundert entdeckt. Zum Schutz der wertvollen Mosaiken wurde eine hölzerne Notkirche errichtet.

Da die Notkirche immer wieder baufällig geworden war, entschloß sich schließlich der Vorstand des Deutschen Vereins für das Heilige Land, auf dem alten Grundriß des 5. Jahrhunderts eine Kirche im byzantinischen Stil zu erbauen und in Tabgha neu ein Zentrum christlichen Lebens zu schaffen. Alles, was vom originalen Bau erhalten geblieben war, wurde einbezogen. So entstand eine Kirche, deren schlichte Schönheit die Besucher beeindruckt.
Bei seiner Reise ins Heilige Land im März 2000 besuchte Papst Johannes Paul II. auch die Brotvermehrungskirche in Tabgha.